Ulm Ex-Ulmer schreibt Buch über Uli Hoeneß

Peter Bizer: Uli Hoeneß Mensch, Macher, Mythos - Nachspiel. Ellert & Richter Verlag, 216 Seiten, 16,95 Euro.
Peter Bizer: Uli Hoeneß Mensch, Macher, Mythos - Nachspiel. Ellert & Richter Verlag, 216 Seiten, 16,95 Euro.
Ulm / HANS-ULI THIERER 11.03.2014
Das nennt man Punktlandung: Zum Hoeneß-Prozessauftakt ist das Buch eines Ex-Ulmers über den Ex-Ulmer auf den Markt gekommen.

"Mensch, Macher, Mythos - Nachspiel". Der Titel ist Programm. Sagt alles. Ein Buch über Uli Hoeneß, exakt getimt wie einer dieser tödlichen Pässe aus dem Bayern-Mittelfeld in die Spitze, und also punktgenau erschienen zum Auftakt des Steuerbetrugsprozess.

Autor ist Peter Bizer, ein gebürtiger Albstädter, dessen journalistische Berufskarriere 1961 bei der Schwäbischen Donau Zeitung ihren Lauf genommen hatte, der Vorgängerin dieses Blattes. Bizer kann also mit Fug und Recht als ein Ex-Ulmer bezeichnet werden. Wie der vom Eselsberg stammende Metzgerssohn Hoeneß.

Viele der 216 "Nachspiel"-Seiten spielen zu Zeiten, da Hoeneß noch unbefleckt war, noch kein Steuerhinterzieher, als der er sich am Montag vollends ganz und gar outete. An die Ulmer Wurzeln erinnert das sich über 16 Seiten erstreckende Kapitel "Der Frühreife", in dem Bizer aus dem Redaktionsnähkästchen plaudert und nebenbei das schwäbische Wesen am Beispiel eines Zeitungslesers schildert, der 1967 eines schönen Tages die Räume der Sportredaktion stürmte. Wie ein Rohrspatz schimpfte der gute Mann darüber, dass das Blatt sich erdreistet hatte, den 15-jährigen "Halbrechten Uli Hoeneß" nach einem Spiel der Schüler-Nationalmannschaft mit dem großen Helmut Haller zu vergleichen; jenem Haller, der im Jahr zuvor das erste Tor im WM-Finale gegen England geschossen hatte. Einen Halbwüchsigen zu Herrgöttle hochzujubeln, das geht jedem rechten Schwaben über die Hutschnur - schreibt Bizer.

Viele Ulmer Episoden hat Bizer aufgeschrieben. Etwa die, dass Uli Hoeneß, Schülersprecher am Schubart, seine Susi, Schülersprecherin am St. Hildegard, also auch eine Ulmerin, im Café Ströbele, "dem Treffpunkt für wohlerzogene Teenager und geschwätzige Kaffeetanten" kennengelernt hat.

Oder die, dass der schon in jungen Jahren geschäftstüchtige Hoeneß mit der Schwäbischen Donau Zeitung ein beispielsweise Kulturkritikern damals horrend anmutendes Honorar dafür aushandelte, dass der angehende Jungprofi fürs Regionalblatt zur Feder griff. Für 150 Mark schrieb er aus erster Hand und exklusiv "Das meine ich" - pro Kolumne, versteht sich.

Oder die, was Hoeneß mit dem Ulmer OB Ivo Gönner eint - ohne dass freilich Autor Bizer etwas von dieser Seelenverwandtschaft geahnt hätte. Bizer beschreibt Hoeneß als "analogen Präsidenten" schwäbischer Provenienz, als Big Boss ohne Phones, Pads, gar ohne eigene Mail-Adresse. Und hat nicht Gönner unlängst vor aller kommunalen Welt die digitale Welt mit den Worten beschrieben, Facebook und "des ganze Zeugs" führe zur "Degeneration des öffentlichen Dialogs".

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