Neu-Ulm Evobus schrumpft nicht so stark

Die Produktion der Überlandbusse bleibt in Neu-Ulm - das haben Betriebsrat und Unternehmen jetzt vereinbart. Bis mindestens 2015 findet somit die Produktion aller Setra-Busse in Deutschland statt. Foto: Volkmar Könneke
Die Produktion der Überlandbusse bleibt in Neu-Ulm - das haben Betriebsrat und Unternehmen jetzt vereinbart. Bis mindestens 2015 findet somit die Produktion aller Setra-Busse in Deutschland statt. Foto: Volkmar Könneke
Neu-Ulm / REGINA FRANK 26.05.2012
Bei Evobus werden weit weniger Stellen abgebaut, als befürchtet: Insgesamt gehen 600 Arbeitsplätze verloren, am Standort Neu-Ulm 370. Alle Setra-Busse werden weiterhin in Deutschland hergestellt.

"Die Belegschaft hat mit dieser Vereinbarung wieder Boden unter den Füßen", sagt der Gewerkschaftssekretär der IG Metall Ulm. "Es ist ein guter Abschluss vor den Pfingstferien", sagt der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende. Evobus-Management und Betriebsrat haben sich über Eckpunkte des Sparprogramms geeinigt - unter anderem auf Details zum Stellenabbau. Ergebnis: Am Standort Neu-Ulm gehen nach Angaben von Gewerkschaftssekretär Reinhold Riebl etwa 370 Stellen verloren, rein rechnerisch weitere 230 im Mannheimer Werk, insgesamt sind es rund 600. Von dieser Größenordnung spricht auch der Mutterkonzern Daimler in einer Pressemitteilung.

Arbeitnehmervertreter hatten bislang eine höhere Zahl in den Raum gestellt: Sie sprachen von bis zu 1000 bedrohten Stellen. "Wenn alle ursprünglich eingeplanten Fahrzeuge verlagert worden wären, wären es mehr Stellen gewesen", sagt der Betriebsratsvorsitzende Friedrich Beck. In den Verhandlungen habe man unter anderem erreichen können, dass der Überlandbus vorerst weiter in Neu-Ulm produziert wird. Anders ausgedrückt: "Bis 2015 werden alle Setra-Busse in Deutschland hergestellt." (Beck). Nicht verhindert werden konnte die Komplett-Verlagerung des Mercedes-Reisebusses Travego in die Türkei.

Der Personalabbau soll wie berichtet über freiwillige Lösungen geschehen. Im Blick haben Betriebsrat und Management an erster Stelle die Älteren. Den Geburtsjahrgängen 1955 und älter werden Altersteilzeitverträge, ausgestattet mit Turboprämie, angeboten. Beck: "Wer sich bis 31. August entscheidet, bekommt was obendrauf." Grundsätzlich könne gehen, wer will. Der zweite Weg des Personalabbaus läuft über Abfindungen, er werde frühestens von September an beschritten. Dazu ist ein zweifaches Einverständnis nötig, also auch die Zustimmung des Unternehmens.

Von der Belegschaft sei das Ergebnis positiv aufgenommen worden, berichtet der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Hansjörg Müller. "Mit der Vereinbarung wurde ein Stück Sicherheit zurückgegeben", sagt er. Dies vor dem Hintergrund, dass ein langsames Standort-Sterben befürchtet worden war. Sicherheit bringe insbesondere der vereinbarte Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen bis 2018. Ein wichtiges Signal in die Zukunft sei eine neue Regelung zur Übernahme von Auszubildenden. Demnach werden 90 Prozent in ein festes Arbeitsverhältnis übernommen. Das gilt auch für jene, die noch dieses Jahr auslernen - im Gegensatz zum gerade ausgehandelten Tarifvertrag. Die Ausbildung werde mit dem bisherigen Volumen weiterbetrieben, versichert Bernd Weber, ein Sprecher des Daimler-Konzerns. Und der Chef der Daimler-Bussparte, Hartmut Schick, betont: "Wir machen unsere deutschen Werke fit für die Zukunft."

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel