Werben Parteien in Fußgängerzonen, winken meistens bloß Flyer und warme Worte. Nicht so bei den Grünen am Dienstag in der Hirschstraße. Das einzige aus Papier waren Servietten. Stattdessen gab es an einer aus Biertischen zusammengestellten Frühstückstafel belgische Waffeln, Schweizer Wurstsalat, niederländische Salami, spanische Melonen, bulgarisches Börek, Parmaschinken und deutsche Afri-Cola. „Das meiste haben wir selbst gebacken  oder zubereitet“, sagte stolz Grünen-Stadtrat Michael Joukov.  Weshalb die Mühe? Weil am 9. Mai  Europatag war und die Grünen mit dem Wahlvolk über die Zukunft Europas ins Plaudern kommen wollten. Und wie könnte das besser gelingen als mit einem internationalen Spätfrühstück?

Dessen Sahnehäubchen Agnieszka Brugger war. Die Ravensburger Bundestagsabgeordnete und sicherheitspolitische Sprecherin der Grünen ist überzeugt, dass sich angesichts nationalistischer Tendenzen allerorten wieder mehr Menschen für die europäische Idee erwärmen. Jüngste Aktionen in vielen Städten wie etwa „Pulse of Europe“  seien ein Beleg dafür, findet die 32-Jährige, die das aktuelle demoskopische Tief ihrer Partei locker nimmt. „Wichtig ist, dass wir Grünen klar Positionen  bei den Themen Ökologie, Gerechtigkeit und offene Gesellschaft beziehen.“

Zu wünschen übrig ließ derweil die politische Positionierug der umworbenen Passanten. Zwar griff der ein oder andere dankbar zu, aber das war’s dann auch. Wie meinte Andreas Gehring aus Mannheim, gerade auf der Durchreise in Ulm. „Mit Politik kenn’ ich mich nicht so aus, aber das Dosenpfand find’ ich ganz gut.“ Und ließ sich den Wurstsalat schmecken.