Quanten hier, Quanten dort – wer an Hochschulen und außeruniversitären Instituten unterwegs ist, hat den Eindruck, dass ohne Quantenforschung nichts mehr geht. In der Tat, die Quantentechnologie hat sich als neues und bedeutendes Forschungsgebiet etabliert. Wo aber findet die Quantentechnologie ihre Anwendung? In Zeiten des gegenseitigen Abhörens übers Telefon kann diese Technologie ungewollte Lauscher aussperren – also eine sichere Datenübertragung garantieren. Um ein Beispiel zu nennen.

Noch handelt es sich um Grundlagenforschung. Um sie auf höchstem Niveau vorantreiben zu können, haben sich Wissenschaftler der Uni Ulm um Prof. Tommaso Calarco und der Uni Stuttgart um Prof. Tilman Pfau im Zentrum für Integrierte Quantenwissenschaften und -technologie (IQST) zusammengeschlossen. Eine „starke Kooperation“ befand Günther Oettinger, zumal beide Landes-Universitäten als Leuchttürme in Sachen Quantenwissenschaften gälten. Der EU-Kommissar für digitale Wirtschaft und Gesellschaft, der sich am Donnerstag an der Uni Ulm über den Stand der Forschung informierte, machte aber auch deutlich, dass sich Europa strecken müsse, um im Wettbewerb mit Konzernen wie Microsoft, Apple, Google oder Facebook nicht ins Hintertreffen zu geraten. Er gab das Ziel aus, schnell die Brücke zum Markt zu schlagen. „Wir Europäer sind in der Grundlagenforschung vorne, die Früchte ernten die US-Amerikaner.“ Oder die Chinesen oder Japaner.

Um im Wettlauf mit diesen Nationen die Nase vorne zu haben, stellte Oettinger zum einen Mittel aus dem EU-Fördertopf in Aussicht: Für digitale Forschung stünden in seinem Haushalt von 2017 bis 2020 pro Jahr eine Milliarde Euro zur Verfügung, sagte er. Zum anderen appellierte er an das IQST, ein Netzwerk in Europa bilden, „mit Baden-Württemberg als Nukleus“, sagte Oettinger. Wer mit an Bord muss, ist klar: die Wirtschaft.

Bauvorhaben
115 Mitarbeiter aus der Physik, der Chemie, der Biologie und der Molekularen Medizin werden im Zentrum für Quanten-Biowissenschaften interdisziplinär in diversen Projekten arbeiten. Der Neubau, der beim Botanischen Garten entstehen soll, hat eine Fläche von 2700 Quadratmetern. Angela Wehling vom Ulmer Amt für Vermögen und Bau beziffert die Baukosten inklusive Erstausstattung für Präzisionslabore auf 27 Millionen Euro. Der Bund übernimmt die Hälfte, Land und Universität beteiligen sich mit jeweils einem Viertel. Laut Wehling werden die Bauarbeiten im Frühjahr 2016 beginnen, bezugsfertig könnte das Gebäude im letzten Quartal 2018 sein. Der Entwurf stammt vom Architekturbüro Heinle, Wischer und Partner (Stuttgart, Berlin, Köln, Dresden).