Im Sport würde man von der Vorrunde sprechen: 195 Antragsskizzen für fächerübergreifende Projekte – so genannte Exzellenzcluster – hatten 63 deutsche Universitäten und Hochschulen in diesem  Jahr bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) eingereicht. Am Freitag hat ein von DFG und Wissenschaftsrat berufenes internationales Expertengremium die „Sieger“ dieser ersten Runde bekanntgegeben.

88 Anträge wurden ausgewählt, die nun in die Hauptrunde einziehen. Der große Unterschied zum Sport: Es gibt am Ende deutlich mehr als einen Sieger. Etwa 50 Projekte dürften im Herbst 2018 zum Zuge kommen. Äußerst gute Karten für die Universität Ulm also, die sich am Freitag sogar mit zwei von drei eingereichten Antrags­skizzen durchsetzte.

Entsprechend stolz war Uni-Präsident Michael Weber. „Das ist ein exorbitant gutes Ergebnis. Es zeigt, dass wir uns in der deutschen Forschungslandschaft oben etabliert haben.“ Schließlich sei die Konkurrenz extrem groß – und so manche deutlich größere Uni habe nur einen oder sogar keinen Antrag durchbekommen.

Weg vom Lithium

Zusammen mit dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) hat die Uni mit der Antragsskizze „Energiespeicherung jenseits von Lithium – neue Speicherkonzepte“ überzeugt. Es geht dabei um die Suche nach leistungsfähigen Energiespeichern und Batterien für die Energiewende und die Elektromobilität. Warum das notwendig ist? Zum einen, weil Li­thium-Ionen Batterien schon jetzt am Ende ihrer Kapazitäten angekommen sind. Vor allem aber sind die Lithium-Vorräte auf der Erde begrenzt. Sollten alle Menschen E-Autos fahren, würden sie längst nicht ausreichen.

In einem möglichen Exzellenzcluster wollen Experten aus der Elektrochemie, Materialwissenschaftler und Ingenieure deshalb gemeinsam die Grenzen der Lithium-Ionen-Technologie überwinden.  Die Idee:  alternative Ladungsträger wie Magnesium oder Zink zu erforschen, denn auch die können große Energiemengen sicher und vor allem kostengünstig speichern.

Sensoren entwickeln

Ebenfalls erfolgreich  waren die Quantenwissenschaftler. Hier sind die Universitäten Ulm und Stuttgart sowie das Stuttgarter Max-Planck-Institut für Festkörperforschung aufgefordert, gemeinsam einen Vollantrag zu stellen. In diesem möglichen Cluster soll die Quantentechnologie mit den Ingenieurwissenschaften verbunden werden. Ziel sind beispielsweise hochleistungsfähige Sensoren und optimierte Bildgebungsverfahren.  Dabei arbeiten Physiker, Chemiker, Bio-Wissenschaftler und Ingenieure in gemeinsamen Laboren zusammen.

Ein Wermutstropfen bleibt das Scheitern der dritten Skizze. Dass es ausgerechnet das Ulmer Prestigeprojekt Traumaforschung – es beschäftigt sich mit der Erforschung und Therapie physischer und psychischer Verletzungen – nicht in die Endrunde geschafft hat, sei aber kein Beinbruch, findet der Präsident. „Wir sind in diesem Bereich hervorragend aufgestellt und werden den Schwerpunkt weiter vorantreiben.“

Füllhorn für die Hochschulen

Zwei Förderlinien Die Exzellenzstrategie ist die Fortführung der 2005 von der damaligen Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) gestarteten Exzellenz­initiative. Es gibt zwei Förderlinien: Exzellenz­universitäten und Exzellenzcluster. Unter letzterem versteht man die Unterstützung international wettbewerbsfähiger Forschungsprojekte.  Von 2018 an stellen Bund (75 Prozent) und Länder (25 Prozent) dafür jährlich 533 Millionen Euro zur Verfügung – davon 385 Millionen für die Cluster. Vollanträge dafür müssen bis zum 21. Februar 2018 eingereicht werden. Die endgültige Entscheidung fällt im Herbst 2018.

Elite-Unis Unis, die mindestens zwei Cluster (jährliche Fördersumme pro Cluster 3 bis 10 Millionen Euro für zwei mal sieben Jahre) genehmigt bekommen, können sich in einem weiteren Schritt als Exzellenz-Uni bewerben. Dann gibt es noch mehr Geld: bei geschätzten zehn Elite-Unis 15 Millionen Euro jährlich pro Uni.

Kritik Ziel der Exzellenzstrategie ist eine Stärkung der deutschen Universitäten im internationalen Wettbewerb. Kritiker der Exzellenzstrategie monieren eine Spaltung der deutschen Hochschullandschaft und Nachteile für die „gewöhnlichen“ Unis, zudem eine Schwächung der Lehre zugunsten der Forschung.