Bildung Essinger-Gymnasium schickt Schüler in den Wald

Einen Tag pro Woche Unterricht im Wald: Das plant das Anna-Essinger-Gymnasium fürs kommende Schuljahr, sofern sich genug Kinder finden, die bei diesem Projekt mitmachen.
Einen Tag pro Woche Unterricht im Wald: Das plant das Anna-Essinger-Gymnasium fürs kommende Schuljahr, sofern sich genug Kinder finden, die bei diesem Projekt mitmachen. © Foto: © Timelynx/Shutterstock.com
Ulm / Von Ute Gallbronner 12.01.2019

Bei Sonnenschein im Maienwäldle sitzen und Vokabeln lernen – das könnte im nächsten Schuljahr wahr werden. Wenn sich genug Kinder finden, startet im September am Anna-Essinger-Gymnasium die erste Outdoor-Klasse. Die Idee ist nicht neu, aber dass sich ein staatliches Gymnasium in Baden-Württemberg an solch ein Projekt heranwagt, ist zumindest ungewöhnlich.

Die Idee haben Christian Rettich und Julia Heller von einer Fortbildung mit Filip Mess von der TU München mitgebracht. Der Professor für Sport- und Gesundheitsdidaktik hat eine Klasse an einem privaten Gymnasium in Heidelberg wissenschaftlich begleitet. Die Ergebnisse sind eindeutig. „Allein schon der Aufenthalt im Freien reduziert den Stresspegel und erhöht den Lernerfolg“, sagt Schulleiter Dieter Greulich, der die Idee seiner Lehrer gerne aufgegriffen hat: „Schließlich passt das perfekt ins Konzept unserer Schule.“

Das Anna-Essinger-Gymnasium hat nicht nur ein Sport-Profil und unterstützt junge Leistungssportler, sondern ist auch Schule mit sport- und bewegungserzieherischem Schwerpunkt (WSB). Mehr Bewegung in den Schulalltag zu bringen, ist hier Programm. Die Outdoor-Klasse soll ein weiterer Baustein sein. Die Lehrer haben das Konzept erarbeitet, Kontakte geknüpft und es den Kollegen vorgestellt. „Wir können und wollen weder Schüler noch Lehrer dazu zwingen. Wer mitmacht, der muss auch überzeugt davon sein“, sagt Rettich.

Denn der Unterricht im Freien findet eben nicht nur bei Sonnenschein statt. „Das gilt auch an trüben Novembertagen“, stellt Rettich klar. Wer sich dafür entscheidet, muss also voll dahinterstehen. Ein Tag pro Woche fünf Unterrichtsstunden sind geplant, wobei eine für den Hin- und Rückweg eingeplant ist. Nur die erste Stunde bleibt die Klasse in der Schule. Schließlich kommen auch mal Kinder zu spät oder sind krank, Lehrer fallen aus.

„Es werden zwei Doppelstunden sein, wobei die Klasse geteilt wird“, erklärt Greulich. Welche Fächer es letztlich werden, hängt von den Lehrern ab, die mitmachen. Aber es wird ein Hauptfach dabei sein. Genau darum geht es nämlich. Nicht um eine Exkursion oder einmal im grünen Klassenzimmer Experimente zu machen, sondern ganz normalen Unterricht in einer anderen Umgebung zu halten. Und zwar jede Woche und nicht nur in den Fächern, die sich aufdrängen, wie Biologie oder Geo. „Die Schüler werden vielleicht mit dem Klemmbrett im Wald sitzen und Gleichungen lösen“, sagt Greulich. Andererseits soll kein Fach ausschließlich im Freien stattfinden: „Um bei Mathe zu bleiben: Präzise Geometrie-Zeichnungen sind eher ungeeignet für den Unterricht im Wald.“

Förster mit im Boot

Die Basis der Klasse wird das Forsthaus hinterm Maienwäldle Richtung Butzental sein. Hier gibt es schon Stämme als Sitzgelegenheiten, ebensolche Tische sollen dazukommen. Und wenn es aus Kübeln schüttet, kann zumindest die Hälfte einer Klasse auch mal zur Not zeitweise drinnen unterkommen.

„In Skandinavien oder Schottland ist der Draußenunterricht viel weiter“, sagt Rettich. So findet in Dänemark an jeder fünften Schule ein Teil des Unterrichts ganz regulär im Freien statt. Die Auswirkungen auf das Lernen wurden in mehreren Studien untersucht. Ergebnis: Die Kinder lernen im Freien lieber, was nicht nur den Fächern zugute kommt, die im Wald gelehrt werden, sondern den anderen. Und die Schüler bewegen sich mehr – selbst im Vergleich zu normalen Tagen mit Sportunterricht.

Gerade für Kinder, die sich mit dem Übergang von der Grundschule in die enge Taktung des Gymnasiums vielleicht schwer tun, sei die Outdoor-Klasse ein interessantes Angebot. Mindestens 28 Eltern müssen samt ihrer Kinder überzeugt werden, sonst wird es nichts mit dem Projekt. Zehn Lehrer haben sich bereits gemeldet, die mitmachen wollen. Das freut Greulich besonders: „Schließlich ist das eine völlig andere Art von Unterricht. Das muss man erst einmal gestemmt bekommen.“

Angelegt ist die Outdoor-Klasse erst einmal auf ein Schuljahr. Wenn die Ergebnisse entsprechend sind, wäre der zweite Schritt, dies als Regelangebot in der fünften Klasse aufzunehmen und später vielleicht auf die sechste Jahrgangsstufe auszudehnen: „Aber jetzt müssen wir erst einmal starten.“

Auskünfte für Eltern und Viertklässler

Infoabend Wer sich für die Outdoor-Klasse interessiert, kann sich beim Infoabend für Grundschüler am Anna-Essinger-Gymnasium informieren. Dieser findet am 7. Februar statt. Beginn ist um 18.30 Uhr. Eine Stunde zuvor geht es ums Sportprofil, das aber nichts mit der Outdoor-Klasse zu tun hat.

Schulwechsel Alle Termine sowie Informationen über den Schulwechsel und alle weiterführenden Schulen in der Region gibt es im Sonderheft Schulwechsel. Dieses ist kostenlos im Pressehaus der SÜDWEST PRESSE, Frauenstraße 77, in der Schalterhalle, erhältlich.

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