Wein Essen und Trinken: Weinjahr 2015, ein Geschenk der Natur

EDWIN RUSCHITZKA 15.07.2016
Der Weinjahrgang 2015 ist ein ganz besonderer. Vor allem auch bei Weißweinen. Wir haben Weinhändler aus Ulm und Umgebung befragt, die ihre Weißweine des Jahres präsentieren.

Der Wein-Jahrgang 2015 ist außergewöhnlich, vor allem auch in deutschen Anbaugebieten. Das überwiegend trockene und heiße Jahr, vor allem die nahezu idealen Lesebedingungen im Herbst, ließen die Herzen der deutschen Winzer höher schlagen. Die kerngesunden Trauben konnten voll ausreifen, und schon nach dem Einbringen der Lese waren  sich die Weinbauern vom Remstal bis zur Ahr, von Franken bis nach Baden einig: Das werden wieder Spitzenqualitäten, vergleichbar mit den Jahrgängen 2003 und 2009. Während die Rotweine aus dem vergangenen Jahr zumeist noch in den Holzfässern liegen und reifen, sind die allermeisten Weißweine in der Flasche und auf dem Markt. Wir haben mit fünf Weinhändlern aus Ulm und Umgebung gesprochen, sie um eine Bewertung des Weißwein-Jahrgangs 2015 und vor allem um eine persönliche Empfehlung gebeten.

Seit fast 40 Jahren befasst sich Manfred Böhm mit Wein. Er hat 1990 an der Schwamberger Straße in Ulm sein kleines und feines Weinforum eröffnet mit einer edlen Auswahl. „Die Weine wurden 2015, was die Aromen angeht, sehr reif“, sagt er. „Im Gegensatz zu anderen heißen Jahren, ich denke hier speziell an das Jahr 2003, schossen aber weder die Zuckerwerte in den Himmel, noch stürzten die Säurewerte ins Bodenlose ab. Die Weine zeigen sich von den Aromen her reif und vielschichtig, sind dabei aber frisch und nicht zu schwer im Alkohol.“ Seine Empfehlung: ein 14 Euro teurer Sauvignon Blanc vom Weinberg „Cannstatter Zuckerle“ mit dem Titel „Überm Berg“ aus dem Weingut von Heike und Christoph Rux in Stuttgart: „Der Duft ist typisch für einen Sauvignon Blanc. Stachelbeere und schwarze Johannisbeere sind präsent, ohne dass der Wein überzogen fruchtig wäre. Am Gaumen zeigt er sich mit einer schönen Frische, die von der Frucht begleitet wird. Mit 12,5 Volumenprozent Alkohol ist der Wein angenehm leicht im Alkohol, hat dabei einen runden und vollen Geschmack.“

Die Empfehlung  aus der Weinbastion an der Schillerstraße in Ulm kommt aus Baden, genauer vom Weingut Aufricht in Stetten bei Meersburg, also vom Bodensee. Manuela Huschle, die aus der badischen Winzerfamilie vom Weingut Franckenstein in Baden kommt und in Geisenheim Weinwirtschaft studiert hat, und der Leiter des Verkaufs, Andreas Schmitt,  haben sich für einen Grauen Burgunder vom „Meersburger Sonnenufer“ (13,60 Euro) entschieden: „Im Duft Birnen- und Pfirsicharomen, die sich auf der Zunge fortsetzen. Enorm dicht und lang, dabei aber frisch und animierend durch seine gut eingebundene Säure.“ Der Wein spiegele das gute Jahr 2015 perfekt wider. „Dem heißen Sommer folgte ein goldener Herbst, das Jahr war wirklich ein Geschenk der Natur.“ Die beiden empfehlen ein großes Glas, um dem Wein genug Raum zu geben.

Für einen badischen Wein hat sich auch Eris Hucker-Euchner von Wein & Genuss an der Riedheimer Straße in Langenau entschieden. Ihr Favorit ist ein Weißer Burgunder Kabinett vom Weingut Arnt Köbelin in Eichstetten (8,80 Euro), direkt aus der wohl bekanntesten badischen Weingegend am Kaiserstuhl. „In diesem Jahr hat dieser Weißburgunder der Basislinie immerhin ehrliche 13 Volumenprozent Alkohol aus dem eigenen Fruchtzucker. Er zeugt damit von der guten Jahrgangsreife. Dabei wirkt er aber frisch und fruchtig, mit weichen Aromen vollreifer Marillen und feinen Citrusnoten im Hintergrund.“ Etwa 20 Prozent dieses markanten Weins wurden im großen Holzfass vergoren.

Sauvignon Blanc, Grau- und Weißburgunder, jetzt wird es Zeit für die bekannteste deutsche weiße Rebe, den Riesling. Kathrin Theinert von Jacques Weindepot in der Donaubastion in Ulm, präsentiert einen Weißen Riesling vom Mittelrhein (12,50 Euro), vom Weingut Jens Fendel aus Niederheimbach. Der Wein wächst auf einer Rebfläche, die den schönen Namen „Froher Weingarten“ trägt. Entsprechend froh macht dieser Riesling die Chefin der Ulmer Niederlassung der deutschlandweiten Weinkette. Bei Theinert punktet dieser Wein schon beim „Schnuppern ins Glas“ durch seine ausgeprägte Aromatik nach gelben Früchten. „Auch auf der Zunge zeigt sich ein angenehmes Süße-Säure-Spiel.“ Der warme und sehr trockene Sommer 2015 werde häufig mit  dem ebenfalls heißen Jahr 2003 verglichen. Aber das genügt ihr nicht: „Fraglos lassen warme Sommer mit einer hohen Zahl an Sonnenstunden die Weintrauben gut reifen. Doch muss man sich im Klaren sein, dass  so ein Sommer alleine noch nichts aussagt über die Qualität der Trauben und der  verkelterten Weine“, sagt sie.

Wie wahr, denn gerade mit den Weißweinen hatten die Winzer im Jahr 2003 ihre Probleme, mitunter große Probleme sogar. Viele Weißweine waren sehr alkoholisch, überaus fruchtig, aber arm an Säure. Und die Säure sorgt bekanntlich fürs Lagerpotenzial. Was dazu führte, dass sie in Einzelfällen schon nach einem halben Jahr nach dem Abfüllen in die Flasche wenig Genuss boten. Nach einem Jahr war es dann endgültig vorbei mit der damals gepriesenen Herrlichkeit. Daraus aber haben die deutschen Winzer gelernt, schon im Jahr 2009 und erst recht im Jahr 2015.

Und weil es so schön ist, gibt es zum Abschluss nochmals einen Riesling, den Andreas Altschäffl vom Wein-Gut an der Mühlsteige auf dem Michelsberg in Ulm zu seinem diesjährigen Favoriten erkoren hat. Es ist ein Edition Alte Reben vom Weingut Collegium Wirtemberg (9.90 Euro) . Dazu haben sich 2007 die Weingärtnergenossenschaften aus Rotenberg und Uhlbach zusammengeschlossen.  Und das ist wieder ein Württemberger.

„Das ist mein Lieblingswein und ein Allrounder fürs ganze Jahr“, schwärmt Altschäffl von der „feinen Mineralität“ und der „angenehmen Würze“ des Weins, der auf Rebstöcken wächst, die 25 Jahre und älter sind.  „Im Glas strahlt der Riesling in einem kräftigen Gelb mit grünen Reflexen. In der Nase dominieren Aromen von Ananas, Pfirsich und Zitrus. Am Gaumen zeigt sich der Wein saftig, brillant, geradeaus und elegant.“ Für den Weinhändler ist dieser Riesling ein wunderbarer Essensbegleiter zu Fischgerichten und zur asiatischen Küche.

Die Lieblingsweißweine der Ulmer Händler

Weinforum: Sauvignon Blanc „Cannstatter Zuckerle“, Weingut Rux, Stuttgart, 14,0 % Vol., 1,0 g/l Restzucker (RZ), 5,0 g/l Säure (S), 14 Euro.

Weinbastion: Grauer Burgunder „Meersburger Sonnenufer“, Weingut Aufricht, Meersburg, 13,0 % Vol., 6,3 g/l RZ, 6,5 g/l S, 13,60 Euro.

Wein & Genuss: Weißer Burgunder Kabinett, Weingut Köbelin, Eichstetten, 13 % Vol., ,8 g/l RZ, 6,4 g/l S, 8,80 Euro.

Jacques Weindepot: Weißer Riesling „Froher Weingarten“, Weingut Fendel, Nieerheimbach, 12,5 % Vol., 11,2 g/l RZ, 7,3 g/l S, 12,50 Euro.

Wein-Gut: Riesling Kabinett, Weingut Collegium Wirtemberg, Untertürkheim, 13 % Vol., 7,8 g/l RZ, 6,2 g/l S, 9,95 Euro.


Rezept der Woche: Coq au vin in Riesling gekocht