Rund 150 Portionen verlassen im Durchschnitt die Küche des pensionierten Kochs Ernst Kögel. Tendenz steigend. Auf einem Servierwagen bringt Karl Merkle das Essen den Gästen in der Katholischen Kirchengemeinde St. Franziskus an die Tische. Bereits zum dritten Mal veranstalten die Katholiken in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Zachäusgemeinde am Tannenplatz eine ökumenische Adventstafel.

"Wir haben den Bedarf gesehen", sagt Gisela Bantle, Vorsitzende des Sozialausschusses der Gemeinde, während sie die leeren Teller abräumt, auf denen zuvor noch Putengeschnetzeltes mit Karotten, Sellerie, Erbsen und Reis hübsch angerichtet waren. Pünktlich zum Nikolaustag, dem Schutzheiligen derer, die in Not sind, öffneten die beiden Kirchengemeinden ihre Türen für bedürftige Menschen. Aber nicht nur für sie.

Von 12 bis 14 Uhr können Menschen jeden Alters und Berufs für einen Euro eine Woche lang ein Mittagessen bekommen. "Im Saal stimmt immer die Mischung aus Bedürftigen und der bürgerlichen Mitte", sagt Pastoralreferent Herbert Bendel. Das Wichtige aber neben dem Essen sei ja, miteinander ins Gespräch zu kommen.

Inspiriert von dem bekannten Ausspruch Mutter Teresas "Kennt ihr die armen eurer Stadt" soll die Adventstafel eine Plattform sein, sich zu begegnen und armen Menschen auch ein Gesicht zu geben, sagte Bendel. "Und weil wir nicht wollen, dass sich die Armen ausweisen müssen, finanziert sich das Angebot auf Spendenbasis", sagt Bantle. Das heißt: Wer kann, zahlt mehr.

Rund 40 Ehrenamtliche beider Gemeinden sind in der Woche im Einsatz, um Menschen aller Nationen, Religionen und Generationen zu bewirten. Damit auch Menschen islamischen Glaubens mitessen können, wird an den meisten Tagen ohne Schweineschmalz und Schweinefleisch gekocht. Und wer nach dem Essen noch Lust auf einen Kaffee und Gebäck verspürt, braucht nur durch eine Tür in die angrenzenden Räumlichkeiten der Zachäusgemeinde zu gehen, zu den direkten Nachbarn der Kirchengemeinde St. Franziskus also.

"Wir wollten mit diesem Angebot den Kitsch ein wenig aus der Adventszeit herausnehmen und stattdessen einfach Gutes tun, von Mensch zu Mensch", sagt Merkle mit seiner Weihnachtsmütze auf dem Kopf. Finanziert wird die Adventstafel nicht aus den Mitteln des Etats der Kirchengemeinden, sondern aus den Einnahmen des vor fünf Jahren gegründeten Franziskus-Secondhandshops und aus Spenden.

Info Noch bis kommenden Samstag läuft die Adventstafel am Tannenplatz, 12 bis 14 Uhr, die auch ein liturgisches Angebot integriert hat: Um 12.45 Uhr findet in der Kirche eine zehnminütige Andacht statt.