Stadtentwicklung Ulm: Es wird ernst mit der Landesgartenschau

Ulm / Chirin Kolb 18.04.2018
Es wird ernst mit der Ulmer Bewerbung für die Landesgartenschau: Am 24. April reist die Bewertungskommission an.

Alles dreht sich um die Bundesfestung – so lässt sich die Bewerbung Ulms für eine Landesgartenschau zusammenfassen. Die Wilhelmsburg und etliche Forts kennt wohl jeder, doch viele Anlagen sind ziemlich unbekannt und fallen kaum auf. „Die herausragende historische Bausubstanz der Bundesfestung ist bislang leider viel zu schlecht wahrnehmbar“, sagt Baubürgermeister Tim von Winning. Und das möchte die Stadt mit Hilfe der Landesgartenschau ändern.

Den Anstoß gab ein gemeinsamer Antrag von SPD, CDU und FWG. Am 13. Dezember fasste der Gemeinderat einstimmig den Beschluss für die Bewerbung. Inzwischen stehen viele Vereine, Initiativen  und Gruppen dahinter, zum Beispiel der Förderkreis Bundesfestung und der Stadtjugendring. „Das ist echt stark“, sagt Jochen Aminde, von Winnings persönlicher Referent, erfreut. Er hofft, dass sich die Ulmer von dieser Begeisterung anstecken lassen und das bei einer Aktion auf dem Münsterplatz zeigen, wenn eine Fachkommission des Ministeriums für Ländlichen Raum am 24. April nach Ulm kommt (siehe Info-Kasten).

Ein Team der Stadtverwaltung fährt mit der Kommission die Bereiche ab, an denen die Landesgartenschau (LGS) stattfinden soll. Sie ziehen sich von der Wilhelmsburg den Kienlesberg hinunter, zum Blaubeurer Tor und von dort weiter an der B 10 entlang am Westglacis zum Ehinger Tor und über die Ehinger Anlagen bis zur Donau. Entwickelt wurde das Konzept vom Büro Planstatt Senner.

Wie kann der Verkehr erträglicher gemacht werden?

An der Wilhelmsburg und am Kienlesberg sind die klassischen Bereiche geplant: Blumenschauen, Mustergärten und dergleichen. Aminde verhehlt aber nicht, dass er unter stadtplanerischen Gesichtspunkten andere Stellen für spannender hält. Das Blaubeurer Tor zum Beispiel. „Es ist von Verkehr umspült und eigentlich kaum wahrnehmbar.“

Überhaupt: der Verkehr. Die Schneise B 10 durchtrennt die Stadt fast so wie die Bahngleise. Im LGS-Konzept geht es deshalb auch um die Frage: Wie kann man den Verkehr erträglicher machen? Ein Aspekt dabei ist der Lärmschutz. Da gebe es durchaus andere Möglichkeiten als gläserne Wände, beispielsweise modelliertes Gelände oder Mauerwerk in Anlehnung an die Bundesfestung.

Dass auch eher abstoßende Orte wie die Auffahrt vom Blaubeurer Ring zur B 10 zu einem Landesgartenschau-Gelände gehören sollen, mag schwer vorstellbar sein. Gerade das mache den Reiz aus, meint Aminde. Die Landschaftsarchitekten von Planstatt Senner schlagen entlang der Auffahrt einen breiten Steg für Fußgänger und Radler vor (siehe Visualisierung). Darunter soll ein Areal für Sport, Spiel und Spaß entstehen, ähnlich dem Sport- und Freizeitpark Wiley, der zur Landesgartenschau 2008 in Neu-Ulm angelegt wurde.

Das Ulmer Konzept ist ohnehin durchaus vergleichbar mit der Neu-Ulmer LGS:  dezentral mit mehreren Bereichen, dauerhafte und temporäre Anlagen. „Die unterschiedlichen Räume sollen unterschiedliche Menschen ansprechen“, sagt Aminde. Ulm soll als Stadt von der LGS profitieren.

Klare Präferenz für 2030

14 Kommunen haben sich für den Zeitraum 2026 bis 2030 für eine Landesgartenschau beworben. Ulm hat eine klare Präferenz: 2030. „Wir können uns das nicht aussuchen“, schränkt Aminde ein. „Aber wir können der Fachkommission nahelegen: Das wäre besonders attraktiv.“

Aus mehreren Gründen. 2030 ist es 50 Jahre her, dass Ulm das erste Mal eine Landesgartenschau ausgerichtet hat, damals in der Friedrichsau. Verlockend wäre dieser Termin auch baulich. Die Adenauerbrücke soll ersetzt werden, und um den Verkehr aufrecht zu erhalten, wird die neue Brücke wohl flussaufwärts neben der alten gebaut. Das würde Möglichkeiten bieten, das Donauufer und die Ehinger Anlagen an dieser Stelle aufzuwerten. Wenn alles gut geht, könnte die neue Brücke bis 2030 stehen, sagt Aminde. Bisher gibt es aber noch keine Planung, kein Genehmigungsverfahren und keinen Beschluss.

Zukunftsmusik also. Aber gerade davon lebt eine Landesgartenschau. Tim von Winning ist überzeugt: Mit einer Landesgartenschau rund um die Bundesfestung „gewinnt Ulm ein weiteres Alleinstellungsmerkmal“.

Info Weitere Informationen über die Ulmer Landesgartenschau-Bewerbung gibt es unter lgs-ulm.de

Große Aktion auf dem Münsterplatz

Mitmachen Die Ulmerinnen und Ulmer stehen voll hinter der Landesgartenschau-Bewerbung. Das möchte die Stadtverwaltung mit einer großen Aktion am Dienstag, 24. April, demonstrieren. Die Fachkommission des Ministeriums soll um 16 Uhr auf dem Münsterplatz eintreffen, und punktgenau dann sollen Menschen aus allen Gassen auf den Münsterplatz strömen – „wie bei einem Flashmob“, sagt Jochen Aminde von der Stadt Ulm.

Programm Die Menschen sollen auf dem Münsterplatz den Schriftzug „LGS 2030“ bilden. Dazu gibt es Gebäck in Form der Bundesfestung, Getränke, Musik von der Stadtkapelle und Infos über das Ulmer Landesgartenschau-Konzept.