Ökologie Botanischer Garten: Es grünt so grün im Farntal

Ulm / Carolin Stüwe 12.06.2018
Im neuen Farntal im Botanischen Garten entstehen kleine naturnahe Pflanzengemeinschaften.

Ein kühl-feuchter Kalk-Buchenwald, eine sonnige Natursteinmauer, eine kleine Geröllhalde und ein feuchtes Bachufer – sofern es genügend geregnet hat. Auf engstem Raum, rechts und links eines nur knapp hundert Meter langen Bachlaufs, findet man im neuen Farntal des Botanischen Gartens auf dem Oberen Eselsberg bereits verschiedene Standorte mit den entsprechend angepassten Pflanzenarten. Peter Zindl, der technische Leiter des Botanischen Gartens, streicht liebevoll durch einen bereits prächtig gewachsenen Straußenfarn und zeigt auf etliche kleine Schilder, die wie im Apothekergarten Namen, Pflanzenfamilie und Herkunft des jeweiligen Exemplars verraten.

Das Farntal ist für die Besucher ein weiteres Angebot außer Taglilien-, Rosen- und Bauerngarten und den tropischen Gewächshäusern. Vor allem aber ist es ein erweiterter Forschungsraum für die Studenten der Uni Ulm. Denn in diesem schattigen Bereich blühen jetzt noch Pflanzenarten wie die Kreuzblütler, deren Artgenossen auf der Wiese bereits verblüht sind. „So kann ich künftig übers Semester verteilt regelmäßig Material für die botanischen Bestimmungsübungen liefern“, sagt Zindl. Dabei lernen 120 Studenten im Praktikumssaal, welche Pflanze aufgrund welcher Merkmale zu welcher Familie oder Gattung gehört.

Der Hochschulauftrag ist auch der Grund, dass sich die Universität und die Stadt Ulm an den Gesamtkosten von 350.000 Euro beteiligen. Das Startkapital indes – 100.000 Euro – kommt vom Förderverein „Freunde des Botanischen Gartens Ulm“.

Vor vier Jahren wurde damit begonnen, mit Hilfe vieler Kalksteinbrocken den Bachlauf anzulegen. Und zwar so aufwendig, damit das Wasser nicht sofort versickert, das langsam von einem Speicherbecken oberhalb des Farntals „rinnt“. Das Becken fasst bis zu einer Million Liter Regenwasser, das als Oberflächenwasser von der Uni Ost kommt. Somit spart die Uni wie berichtet pro Jahr 14.000 Euro an Abwassergebühren.

Über einen Schieber wird der Abfluss von höchstens einem Liter Regenwasser pro Sekunde gesteuert, so dass das Farntal lediglich feucht gehalten wird. Und was passiert, wenn es drei Wochen lang nicht regnet? „Dann müssen wir im Wald Regner aufstellen“, sagt Zindl und lacht.

Erst kürzlich wurde ein kalkiger „Felskopf“, der auf der Schwäbischen Alb abgebrochen war, ins Farntal transportiert. Darauf werden sich nun erst Algen und Moose, dann kleine blühende Pflanzen ansiedeln. Stimmt schließlich das Kleinklima, können Farne und ihre Begleiter wie Schattenstauden hinzukommen. Bislang seien aber erst 30 Prozent der angestrebten 45 Farnarten und der 200 Arten an Gräsern und Stauden gepflanzt worden, sagt Zindl. Diese wurden im Anzuchthaus vorgezogen oder in Absprache mit dem Naturschutz von der Schwäbischen Alb geholt.

Allerdings: Vor allem die Farne wachsen sehr langsam und bräuchten ganz spezielle Bedingungen, damit sie sich in dieser naturidentischen Umgebung dauerhaft wohlfühlen. Zindl: „Natürlich ist in unserer Kulturlandschaft nichts mehr, nur naturidentisch.“ Umso erstaunlicher, wie grün es schon überall geworden ist auf der anfänglichen Erdbaustelle „Farntal“, auf der um die hoch gewachsenen Waldbäume wie Buche, Ahorn und Esche drumherum gebaut wurde.

Sommerfest am 17. Juni

Verein Am Sonntag, 17. Juni, steigt ab 14 Uhr bei jedem Wetter das Sommerfest im Botanischen Garten mit kostenlosem Eintritt in die Gewächshäuser, mit Führung zum Teich, mit Vorträgen über fleischfressende - sowie Apothekerpflanzen. Und es wird die Ausstellung „Die Grüne Apotheke – vom Hortus Medicus zur Pharmaforschung“ eröffnet.

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