Kommentar Zukunft des Museums Ulm: Es fehlt ein Bekenntnis

Lena Grundhuber.
Lena Grundhuber. © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / Lena Grundhuber 15.06.2018
Wenn der Kulturausschuss heute dafür stimmt, bekommt das Museum Ulm wohl jährlich eine halbe Million Euro mehr. Über den Umbau des Hauses ist damit noch nichts gesagt.

Das ist ein Batzen Geld: 500.000 Euro pro Jahr könnte das Museum Ulm bald zusätzlich zur Verfügung haben, wenn der Kulturausschuss heute zustimmt. Geld für mehr Personal, aber auch für das Ausstellungsprogramm, damit der Zuschuss da ankommt, wo er hin soll – bei den Besuchern, die die Ausstattung hoffentlich mit Anwesenheit honorieren. Super Sache, oder vielmehr: „das Mindeste, was wir brauchen, um vernünftig arbeiten zu können“, wie Museumschefin Stefanie Dathe sagt. So stünde das Haus finanziell auf soliden Füßen. Nur dass es von oben immer noch reinregnet, und das ist nicht nur metaphorisch gemeint.

Die Probleme des Sieben-Häuser-Komplexes sind schon so lang bekannt und so oft beschrieben, dass man Hemmungen hat, sie auch nur ein weiteres Mal aufzuzählen, deshalb nur auszugsweise: Zu mangelhafter Klimatisierung und fehlender Barrierefreiheit, zur Platznot und der Tatsache, dass das Haus für die erwünschten Besuchermassen ganze vier Toiletten vorhält, müssten auch noch Dächer saniert werden. Bestimmte Leihgaben bekommt das Museum unter diesen Bedingungen gar nicht erst, abgesehen davon, dass manche Großskulpturen sowieso nicht durch die Tür passen. Nicht erst die aktuelle Chefin wünscht sich einen neuen Eingangsbereich, wie es ihn nun in Neu-Ulm zu besichtigen gibt.

„Investieren Sie ins Museum!“

Spätestens seit der Machbarkeitsstudie von Space4 ist all das hinreichend bekannt, und an Sympathiebekundungen mangelt es nicht. Doch in der Investitionsstrategie der Stadt für die kommenden zehn Jahre steht das Museum laut Kulturbürgermeisterin Iris Mann zeitlich gesehen eher auf den hinteren Rängen, und angesichts der vielen anderen Baustellen muss man fürchten, dass die schönen Vorschläge vorerst in der Schublade verschwinden. „Investieren Sie ins Museum!“ hatte Stefanie Dathe bei ihrem Antritt an die Räte appelliert; ohne die Machbarkeitsstudie hätte sie sich wohl gar nicht erst beworben. Von Beginn an war klar, dass man sich mit Dathe eine einhandelt, die auch fordert. Seither hat sie Betriebsamkeit entfaltet, hat eine echte Kooperation mit der Kunsthalle Weishaupt zuwege gebracht, vor allem hat sie das Lächeln ins Haus zurückgeholt.

Gerechterweise muss man sagen: Das wird honoriert, auch mit dem Kunstdepot, das nun eingerichtet wird. Was noch fehlt, ist das letzte, klare Bekenntnis der Stadt zu einem zukunftsfähigen Haus. Wie traurig wäre es, wenn das Museum seinen 100. Geburtstag 2025 auf Krücken feiern müsste.

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