Flüchtlinge Es fehlt an Wohnraum für anerkannte Flüchtlinge

In Ulm nimmt die Zahl der Flüchtlinge ab. Die Zahl der Anerkannten steigt, für sie sind Wohnungen knapp. 
In Ulm nimmt die Zahl der Flüchtlinge ab. Die Zahl der Anerkannten steigt, für sie sind Wohnungen knapp.  © Foto: Matthias Kessler
Chirin Kolb 02.01.2018
Die Zahl der neu ankommenden Flüchtlinge stagniert. Doch wer bleiben darf, findet kaum eine Unterkunft.

Neu ankommende Flüchtlinge unterzubringen, ist für die Stadt Ulm kein Problem. Die Zahl der geflüchteten Menschen stagniert in Ulm und geht tendenziell sogar leicht zurück. Aktuell sind 470 Menschen in der so genannten vorläufigen Unterbringung, die Räumlichkeiten reichen gut aus. Dagegen steigt die Zahl der anerkannten Flüchtlinge. Zum Jahreswechsel gehörten in Ulm 860 Menschen zu dieser Gruppe – mit steigender Tendenz. Die Stadtverwaltung geht davon aus, dass im Jahr 2020 rund 1.300 anerkannte Flüchtlinge nach Abschluss ihres Asylverfahrens in Ulm leben werden.

Für diese Menschen muss die Stadt eine so genannte Anschlussunterbringung zur Verfügung stellen. Und das ist ein Problem, denn es fehlen ohnehin günstige Mietwohnungen für Leute mit geringerem Einkommen. Der Bedarf an Wohnraum in der Anschlussunterbringung könne jedenfalls „mit den bestehenden Kapazitäten nicht gedeckt werden“, stellt die Stadtverwaltung in einem Bericht zur Unterbringung von Geflüchteten dar.

Neubauten in Modulbauweise

Um Abhilfe zu schaffen, hat der Gemeinderat bereits Neubauten in Modulbauweise für die Anschlussunterbringung beschlossen, zum Beispiel in Böfingen und im Wohngebiet Eschwiesen in Wiblingen. Ein Gebäude in der Magirusstraße wurde umgebaut.

Allein: Das reicht bei Weitem nicht aus. Weiterer günstiger Wohnraum muss deshalb her, und er soll auch in den Ortsteilen entstehen. So hat der Gemeinderat bereits im Mai 2016 ein Sofortprogramm beschlossen, um geeignete Standorte in den Ortschaften zu untersuchen. Dahinter steht die Überlegung, dass die Integration am besten in kleinteiligen Strukturen gelingt und die anerkannten Flüchtlinge möglichst auf alle Stadt- und Ortsteile verteilt werden sollten.

Die Stadtverwaltung nahm städtische Grundstücke in den Ortschaften in den Blick. Näher untersucht wurden vier:

  • Eggingen, Dorfstraße 35. Allerdings plant der Ortschaftsrat in diesem Gebiet die Neuordnung der Ortsmitte.
  • Einsingen, Morgen. Eine Diskussion über dieses Grundstück steht noch aus.
  • Gögglingen, Riedlenstraße. Der Ortschaftsrat möchte dort betreutes Wohnen realisieren.
  • Lehr, Riemenschneiderweg. Auch dort will der Ortschaftsrat betreutes Wohnen verwirklichen.

Wie die Stadt an diesen Stellen weiter verfährt, ist noch nicht entschieden: Es gelte „abzuwägen“, schreibt die Verwaltung. in einem ersten Schritt soll aber die Bebauung in Einsingen vorangetrieben werden.

Generell rücken Gemeinderat und Stadt aber nicht von dem Ziel ab, in den Ortschaften Wohnraum für Geringverdiener zu schaffen. Der Bedarf sei da, gerade auch, weil in den Ortschaften überwiegend Eigenheime gebaut werden. Zudem hat der Gemeinderat in der Wohnungsbaudebatte beschlossen: Bei Mehrfamilienhäusern ab 1.000 Quadratmetern Grundfläche müssen 30 Prozent der Wohnungen öffentlich geförderten Wohnungsbau sein.

Modulbauweise ist zu teuer

Neubau Ein Neubau mit vier Wohnungen würde in Modulbauweise laut Projektentwicklungsgesellschaft rund 800 000 Euro kosten – ohne Erschließung. Er wäre damit kaum billiger als ein solide gebautes Wohnhaus. Die Stadt Ulm sieht deshalb davon ab, für die Unterbringung von Flüchtlingen Wohnhäuser in Modulbauweise zu erstellen.