Stadtquartier Erstes Projekt „Am Weinberg“

Blick vom Westen: Damit die Gebäude als individuelle Häuser zu erkennen sind, werden ihre Fassaden unterschiedlich gestaltet. Alles in allem gruppieren sich neun Häuser um einen Hof, der von der straßenabgewandten Seite zugänglich ist.
Blick vom Westen: Damit die Gebäude als individuelle Häuser zu erkennen sind, werden ihre Fassaden unterschiedlich gestaltet. Alles in allem gruppieren sich neun Häuser um einen Hof, der von der straßenabgewandten Seite zugänglich ist. © Foto: ARP Architekten
Ulm / Christine Liebhardt 03.08.2018

Jetzt geht es zackig voran am Weinberg: Noch in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause hat der Ulmer Gemeinderat den Bebauungsplan für das neue Quartier einstimmig beschlossen. Und ein Wettbewerb für das erste Projekt auf dem früheren Hindenburg-Gelände am alten Eselsberg ist ebenfalls schon entschieden: Entlang des Weinbergweges baut die Ulmer Wohnungs- und Siedlungsgesellschaft (UWS) ab dem Frühjahr des kommenden Jahres in einem ersten Bauabschnitt 137 Wohnungen mit Tiefgarage, außerdem entsteht eine Kindertagesstätte.

40 Prozent gefördert

Die Jury hat sich für einen Entwurf des Stuttgarter Büros ARP Architekten entschieden, der unter anderem mit der Integration der Kita und der Anordnung der beiden Gewerbeflächen entlang des Platzes zur Panzerhalle überzeugte, teilen die UWS mit. Neun Häuser gruppieren sich um einen grünen Innenhof. Sie haben vier bis fünf Stockwerke plus Staffelgeschoss. Dahinter entsteht auf der Fläche der alten Panzerhalle ein neuer Stadtteilplatz.

Mit Landesmitteln sollen mindestens 40 Prozent der Wohnungen als geförderter Wohnraum errichtet werden. Die städtische Wohnbaugesellschaft hat dabei insbesondere Mieter mit geringem Einkommen im Blick, die am allgemeinen Markt Schwierigkeiten haben, etwas zu finden. Alle Wohnungen werden ausschließlich vermietet.

Die Wohnungen, darin sind sich alle einig, sind dringend nötig. „Wenn die Schnellstrecke ans Netz geht, wird Ulm Teil des Stuttgarter Wohnungsmarkts“, hatte Chef-Stadtplaner Volker Jescheck im Bauausschuss gewarnt. Womit er keine Angstmache betreiben wolle, aber: „Es muss klar sein, dass wir eine prosperierende Region sind.“ Die geplanten Gebäude könnten seiner Meinung nach sogar noch höher sein – eine Frage, die in Zukunft die Stadt bei Bauprojekten wohl noch häufig beschäftigen werde.

Mit der Tatsache, dass der Siegerentwurf des Stadtquartiers zwischenzeitlich aufgestockt wurde, hadert CDU-Stadtrat Bertram Holz indes immer noch. „Die Bürger haben einen Anspruch auf Verlässlichkeit“, beschwerte er sich im Ausschuss. Die Wohnqualität hänge von der Höhe der Bebauung ab. „Wir sind nicht in der Innenstadt, sondern im Stadtteil.“ Er stört sich insbesondere an einem Solitär an der Kreuzung Weinbergweg/Mähringer Weg, für den bei einer Höhe von 28 Metern sechs Voll- und zwei zurückgesetzte Geschosse vorgesehen sind und der erst später gebaut wird. Holz stellte deshalb für seine Fraktion den Antrag, die Geschosshöhe auf vier Stockwerke plus ein Staffelgeschoss zu beschränken – was der Ausschuss aber ablehnte.

Wettbewerb als Startpunkt

Baubürgermeister Tim von Winning wehrte sich dagegen, mehr Höhe mit einem Verlust an Attraktivität gleichzusetzen: „Dichte ist kein Merkmal für fehlende Qualität.“ Ein Wettbewerb könne nie endgültiges Ergebnis sein, sondern immer nur der Anfang eines Verfahrens. Es gehe der Verwaltung dabei nicht allein um möglichst viele Wohneinheiten, sondern auch um das Stadtquartier: „Wir glauben, dass das Gebiet so besser wird.“

Dieses sei ohnehin städtisch geprägt, befand Brigitte Dahlbender (SPD). „Wir können hier umwelt-, städtebau- und sozialverträglich in die Höhe bauen. Es ist ja kein Einsingen oder Donaustetten.“ Gegen die Wohnungsnot helfe nun mal nur bauen, sagte Annette Weinreich (Grüne). Sie bat darum, im Quartier auch private Baugemeinschaften zu ermöglichen.

Stellungnahmen und Einwände

Verschattung Stadtplaner Volker Jescheck freute zwar, dass es von privater Seite keine größeren Einwände gegen das neue Stadtquartier gibt. Sowohl Verwaltung als auch Räte reagierten allerdings verärgert auf die Stellungnahme der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, die „sehr nachteilige Auswirkungen“ auf ihre angrenzenden Wohnanlagen Mähringer Weg 81 - 97 und Carl-Schurz-Straße 1 - 18 befürchtet:  starke Verschattung und eine massive Einschränkung des Tageslichts und der Privatsphäre ihrer Mieter. Auch seien die Gebäude zu hoch. Eine Einschätzung, die die Verwaltung nicht teilt: Zwischen den Gebäuden liegen mindestens 20, teils knapp 40 Meter.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel