Samen Erste Saatgut-Börse von Gartenfans im Weststadthaus

Gärtner unter sich: Die erste Saatgut-Tauschbörse lockte zwar nicht viele Interessierte an. Wer aber Samen mitnahm, kam mit den Anbietern ins Gespräch, etwa darüber wie man Samen vom Rattenschwanz-Rettich keimen lässt.
Gärtner unter sich: Die erste Saatgut-Tauschbörse lockte zwar nicht viele Interessierte an. Wer aber Samen mitnahm, kam mit den Anbietern ins Gespräch, etwa darüber wie man Samen vom Rattenschwanz-Rettich keimen lässt. © Foto: Volkmar Könneke
BEATE ROSE 14.03.2016
Ungewöhnliche Pflanzen wie wilde Möhre oder sibirischer Hauspaprika gefällig? Samen dafür boten Mitglieder der Initiative "Gemeinsam gärtnern in Ulm" an, bei der ersten Tauschbörse für Samen.

Roter Mais, schwarzer Mais, weißer Mais - von jeder Sorte etwa zehn Körner in kleine Tüten abgepackt hat David Forstner vor sich liegen, an seinem Tisch am Samstag im Weststadthaus. Der junge Mann hat die Maiskolben aus Bolivien mitgebracht. "Die hab' ich selbst importiert", sagt er stolz. Jetzt versucht er die Körner an den Mann oder die Frau zu bringen, in der ersten Samen-Tauschbörse in Ulm. Die hat die Initiative "Gemeinsam gärtnern in Ulm" organisiert.

Doch der Andrang hält sich in Grenzen. Im Weststadthaus werden nebenan an diesem Tag Kindersachen auf einem Bazar angeboten, alles drängt dorthin. Die Organisatoren der Tauschbörse sind weitestgehend unter sich. In Ermanglung von Interessierten tauschen die Gemeinsam-gärtnern-Fans die Samen untereinander. David Forstner preist den Mais an so: "Viel Erfahrung habe ich damit zwar nicht, aber er keimt in meinem Wohnzimmer." Den Samen hat er deswegen nach Ulm gebracht, weil er Artenvielfalt bewahren will, auch bei Mais.

So sieht es auch Lea Graf, 19-jährige Schülerin: "Wir wollen eine Vielfalt aufwachsen lassen." Sie ist die Gründerin der Ulmer Initiative "Gemeinsam gärtnern", die die Tauschbörse organisiert hat. Doch Lea gärtnert nicht allein, der feste Kern der Truppe besteht aus Iris Graf, Leas Mutter, BUND-Ehrenamtliche Antje Liskien-Diener und Landschaftsarchitektin Annette Schellenberg, die etwa auch für die Stadthaus-Bienen fürs Pflanzenfutter sorgt. Sie alle eint, dass "die Stadt aufblühen soll", formuliert es Iris Graf. Das gemeinsame Gärtnern habe so viele positive Aspekte: "Es sieht schön aus und Leute können etwas ernten und essen", sagt Iris Graf. Und für Liskien-Diener zählt, dass sich beim gemeinsamen Gärtnern viele Gruppen treffen und "verwurzeln" könnten.

An diesem Samstag treffen sich beim Saatgut-Tausch noch nicht so viele. Eine Frau kommt herein und legt Samen von Studentenblumen auf den Tisch, Saatgut von ihrem Balkon. Ob die Frau nicht etwas mitnehmen möchte, Samen von "Wilder Möhre" oder Sibirischem Hauspaprika? Die stammen teils von Pflanzen auf dem Stadthaus oder vom Gemeinschaftsgarten aus dem Neunkirchenweg. Die Frau packt ein. Zahlen muss sie dafür nichts. Die Organisatoren stören sich nicht daran, dass sich das Interesse in Grenzen hielt. Lea Graf: "Ein Anfang ist gemacht."

Der Gemeinschaftsgarten

Initiative Lea Graf hatte für ihre Jahresarbeit an der Waldorfschule vor zwei Jahren das Thema urbanes Gärtnern gewählt. Dafür bekam sie Flächen von der Stadt im Neunkirchenweg am Kuhberg. Daraus entstanden ist das Projekt "Neunkirchengärtchen", ein Gemeinschaftsgarten für den stets Mitgärtner gesucht werden. Interesse? Dann melden per E-Mail unter gemeinsam-gaertnern-ulm@posteo.de