Tiere Erste Hilfe für ein Spätzle - Familie Fried zieht Vogelkind groß

Noch ist es ein Spätzle, aber bei guter Pflege wird es groß und stark: Clara Fried und ihr Vogelkind „Blitz“.
Noch ist es ein Spätzle, aber bei guter Pflege wird es groß und stark: Clara Fried und ihr Vogelkind „Blitz“. © Foto: Matthias Kessler
Ulm / BEATE ROSE 22.07.2015
Clara Fried (8) hörte auf der Gasse ein Fiepen. Ihre Mutter dachte: Eine Maus. Die Tochter suchte und fand ein Spatzenjunges. Das päppeln sie jetzt auf.
Einmal in der Stunde füttern, verdauen, schlafen – das macht das Spatzenkind, das bei den Frieds in der Frauenstraße wohnt. Ein kleines Körbchen ist sein Nest, das auf dem Wohnzimmertisch steht.

Geht’s ums Vogeljunge, sind die Rollen bei den Frieds klar verteilt: „Ich bin die Pflegerin, Clara ist die Retterin. Es ist ihr Vogel,“ sagt die Mutter Mandy Fried. Schließlich war es Clara (8), die vor einer Woche das Spätzle gefunden hat. Mutter und Tochter sind an jenem Abend aus dem Schwimmbad gekommen, als sie in der Hahnengasse ein Fiepen hörten, erzählt die Mutter. „Ich dachte an eine Maus.“ Clara suchte und fand ein Spatzenjunges, eines, das noch keinen Flaum am Bauch hatte. Es ist wohl aus dem Nest gefallen, nahmen beide an. Die Mutter war überzeugt: „Das schafft der nicht.“ Clara war unerbittlich: „Das können wir nicht liegenlassen.“ Also nahmen die Frieds es mit.

Das ist eine Woche her. Clara hat das Spätzle auf den Namen „Blitz“ getauft. Es macht sich, hat Flaum am Bauch bekommen, die Federn an den Flügeln werden dichter. Mandy Fried füttert „Blitz“ jede Stunde. Das heißt: Überall, wo sie hingeht, kommt er mit. So verbrachte das Spätzle Nachmittage im SSV-Bad, war beim Nabada dabei. Immer im Körbchen, abgedeckt mit einem Tuch.

Womit wird ein Spatzenjunges gefüttert? Mandy Fried hat recherchiert und ist auf Wiltrud Spiecker, Ulmer Expertin für Fundvögel, gestoßen. Sie zieht derzeit 60 Fundvögel aller Art, die bei ihr abgegeben wurden, auf. Spatzenkinder brauchen eiweißhaltiges Futter, sagt Spiecker. Mandy Fried gibt „Blitz“ einen Hackfleischbrei mit einer Spritze. Und: Vogelkinder brauchen Wärme. Deshalb sitzt „Blitz“ ab und an auf einer Wärmflasche.

Mandy Fried ist in ihrer einwöchigen Zeit als Vogelpflegerin Vorurteilen begegnet, die in einem Bericht über sie richtig gestellt werden müssen. Die Vorurteile: Man dürfe Vögeljunge nicht anfassen, einmal aus dem Nest gefallen überleben sie nicht, man müsse ihnen das Fliegen beibringen. Alles falsch.

Die Jugendzeit der Spatzenkinder dauert kurz, laut Spiecker werden sie nach 18 Tagen flügge. Mandy Fried hat mit Tochter Clara bereits über die Zeit danach geredet. Für beide ist klar: „Blitz wird in die Freiheit entlassen.“