Erst einmal muss alles in die richtigen Bahnen gelenkt werden. Die neuen Bewohner der Mannschaftsgebäude in der Hindenburgkaserne am Eselsberg – bislang 40 Personen überwiegend aus Syrien – müssen sich zurechtfinden. Sie waren bislang in der Römerstraße 145 am Kuhberg untergebracht. Das Gebäude dort wird jedoch saniert, damit „es wieder dem Standard entspricht“, wie Werner Fischer sagt, der für die Koordination der Flüchtlinge im Rathaus zuständig ist. Am Dienstag folgen 25 Flüchtlinge aus der Römerstraße nach. Und im Laufe der Woche werden vom Erstaufnahmelager in Karlsruhe nochmals 82 in Ulm und in der Kaserne ankommen, informiert Fischer.

In die Mannschaftsgebäude der Kaserne ziehen auch Mitarbeiter des sozialen Dienstes der Stadt Ulm sowie eine Abteilung der Verwaltung, die für die finanzielle, ärztliche und beratende Seite zuständig ist. Dass die Hindenburgkaserne der Stadt zur Verfügung steht, ist dem verstärkten Flüchtlingsstrom geschuldet. „Der Druck auf die Kommunen hat zugenommen.“ Denn noch immer befindet sich die Kaserne im Eigentum der Bundeswehr. Der Kauf sei noch nicht abgeschlossen. „Die Stadt hat die Gebäude aber instandgesetzt und derweil gemietet“, sagt Christian Peschl, Stadtteilkoordinator für den Eselsberg. Wobei die Miete erfreulicherweise nichts koste.

Parallel wird Peschl mit Hilfe des Runden Tisches für Flüchtlinge am Eselsberg sowie mit dem ökumenischen Besucherdienst der Kirchengemeinden St. Maria Suso (katholisch) und der Lukaskirche (evangelisch) die ehrenamtliche Hilfe in ihre Bahnen lenken. Das wird nicht einfach. Der Grund: Die Hilfsbereitschaft der Menschen am Eselsberg ist riesig. „Wir haben schon mehr Paten als Flüchtlinge“, sagt Peschl. Das Konzept der Patenschaften habe sich bewährt. Paten sind für eine Person oder eine Familie verantwortlich.

Täglich rufen Leute an und fragen, was sie tun könnten, sagt der Stadtteilkoordinator. Es gebe auch schon jede Menge Ideen für Freizeitbeschäftigungen – etwa Spiele für Kinder, eine Fahrradwerkstatt, Kleidertausch. Doch bevor alle loslegen können, müsse der Bedarf an Hilfen erst einmal sondiert werden, sagt Peschl. „Das werden wir nach und nach machen.“ Dazu würden beispielsweise Treffen organisiert, bei denen die ehrenamtlichen Helfer instruiert und informiert werden.

Sachspenden wie Kleider, Spielzeug und Möbel seien nicht nötig. Dagegen brauchen die Flüchtlinge Hilfe beim Ausfüllen von Formularen, man brauche Übersetzer – also auch Menschen, die Arabisch, Kroatisch, Serbisch sprechen: „Da haben sich auch schon einige gemeldet“. Des weiteren brauchen die Flüchtlinge Begleitung beim Arzt, auf Ämter: Sie brauchen Menschen, die ihnen den Stadtteil zeigen und vor allem: „Jemand, der mit ihnen Deutsch übt.“ Angst vor Sprachbarrieren brauche niemand zu haben.

Peschls Erfahrung lautet: Wenn man sich erst einmal kennengelernt hat, funktioniert die Verständigung auch perfekt mit Händen und Füßen.

Renovierung

Stabsgebäude Das Stabsgebäude 3 in der Hindenburgkaserne ist dreigeschossig und stammt aus den 1930er Jahren. Im Jahr 1995 wurde es umfassend saniert. Die Stadt schafft in den beiden Obergeschossen sowie im Erdgeschoss Platz für insgesamt 16 Wohngruppen, die für jeweils acht bis elf Personen ausgelegt sind. Im Erdgeschoss sind auch Büros vorgesehen. Neben Wohnräumen stehen Gemeinschaftsküchen sowie Sanitaranlagen zur Verfügung. Für insgesamt 158 Flüchtlinge wird in der Kaserne Platz geschaffen.