Umbau Erstanlaufstelle für Obdachlose in Neu-Ulm wird teurer

Neu-Ulm / Christine Liebhardt 13.01.2018
Die Renovierung des früheren Multikulturhauses wird teurer als gedacht. Es soll künftig als Erstanlaufstelle für Obdachlose genutzt werden.

Eigentlich war die Verwaltung davon ausgegangen, dass sie das ehemalige Multikulturhaus, in dem sich früher radikale Islamisten getroffen haben, nur instandsetzen muss, um daraus eine kurzfristige Unterkunft für Obdachlose zu machen. 255.000 Euro waren für die neue Erstanlaufstelle in der Zeppelinstraße veranschlagt. Doch sie wird deutlich teurer: Der Neu-Ulmer Finanzausschuss hat jetzt weitere 115.000 Euro bewilligt, gut 45 Prozent mehr als ursprünglich berechnet. Eine Kostensteigerung, auf die die Stadträte ziemlich ungehalten reagierten.

Wie es dazu kommen konnte, versuchte Stadtbaudirektor Markus Krämer zu erklären. Weil die Verwaltung nicht genügend Personal hatte, musste der Auftrag extern vergeben werden. Und obwohl als Standard „Unterkante Minimum“ gesetzt war, entstand großer Aufwand in der Haustechnik: Korrosion, Frost und Feuchtigkeit hatten Schäden am Haus verursacht, es gab Schimmel und zersetzten Estrich. „Das sah aus wie Humus“, schilderte Krämer.

Die Schäden waren deutlich schlimmer als gedacht. Auch der Brandschutz sei nicht billig. „Da darf man sich keinerlei Risiko erlauben, in diesem Personenkreis ist man auch mal unachtsam.“ Der Aufwand sei notwendig gewesen, um das Haus überhaupt benutzen zu können. Und: Lange, so stellt es die Verwaltung dar, habe sie nicht gewusst, dass es zu derartigen Mehrkosten kommen würde. Erst Mitte Dezember habe das Planungsbüro demnach eine aktualisierte Übersicht vorgelegt.

Die Stadträte konnte Krämer mit seinen Argumenten nicht überzeugen. Sie zeigten sich deutlich verärgert über die Mehrkosten. „Das hört sich an, als hätte das Planungsbüro nicht gut gearbeitet“, fand Rainer Juchheim (Grüne). Ihn ärgerte, dass allein die Honorarkosten um mehr als 200 Prozent gestiegen sind. CSU-Stadtrat Johannes Stingl fand: „Eine Kostensteigerung von 45 Prozent ist ordentlich, da müssen wir nachhaken.“ Die Begründungen in der Sitzungsvorlage – die Anforderungen hätten sich geändert – wollten ihm nicht genügen. So stieß ihm etwa auf, dass die notwendigen Küchenzeilen ursprünglich nicht eingeplant gewesen seien.

Der Stadt als Betreiber hätte dieser Bedarf vorher bekannt sein müssen, sagte Stingl. Und teilte ordentlich Richtung Verwaltung aus: „Wir haben Zweifel, ob die Projektstelle im Haus diesen Dingen noch gewachsen ist und ob das allein mit mehr Personal zu regeln ist.“ Stingl beantragte, den Vorgang der Rechnungsprüfung vorzulegen. Mit Blick auf das Edwin-Scharff-Museum, dessen Renovierung ebenfalls deutlich teurer wird als geplant (wir berichteten), warnte er: „Solche Dinge dürfen nicht mehr allzu oft passieren.“

Alfred Schömig (FDP) schlug in die gleiche Kerbe: Mehr als 40 Prozent Mehrkosten seien einfach zu viel, die Kontrolle müsse verbessert werden. Er wolle damit nicht Stadtbaudirektor Krämer und sein Team angreifen, allerdings: „Hier sind irgendwo intern Schwachstellen, das muss überprüft werden.“ Auch Antje Esser (SPD) drohte: „Wir werden solche Abweichungen in Zukunft nicht mehr hinnehmen.“

Stadtbaudirektor Krämer wies den Ausschuss wiederholt darauf hin, dass das ganze Jahr ein Architekt gefehlt habe. „Wenn niemand danach gucken kann, dann kann sich das so auswirken, dass Dinge so auflaufen.“

Ehemaliger zentraler Treff von Islamisten

Schlagwort Von 1995 bis zu seinem Verbot Ende 2005 war das Multikulturhaus (MKH) in der Zeppelinstraße der gefährlichste Islamistentreff in ganz Süddeutschland. Der Verfassungsschutz sprach von Hasspredigern, die letztlich die zwei Ulmer Mitglieder der so genannten Sauerland-Gruppe angestiftet haben, Anschläge auf US-amerikanische Einrichtungen zu planen. In der einzigen arabischen Moschee in weitem Umfeld verkehrte auch Reda Seyam, der an den Anschlägen auf Bali beteiligt gewesen sein soll. Desweiteren gehörten mehrere Konvertiten zu den Besuchern, von denen zwei bei Kämpfen in Tschetschenien und in Afghanistan getötet worden sind. Im MKH verkehrte auch der vom CIA entführte und gefolterte Khaled El Masri, gegen den aber nie wegen Terrorverdachts ermittelt worden war. hum

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