Debating Erst Abi, dann Weltmeisterschaft

Für Deutschland bei der Weltmeisterschaft: Louisa Brög (Mitte) und zwei ihrer Mitstreiterinnen bei den World Schools Debating Championships in Zagreb.
Für Deutschland bei der Weltmeisterschaft: Louisa Brög (Mitte) und zwei ihrer Mitstreiterinnen bei den World Schools Debating Championships in Zagreb. © Foto: privat
Ulm/Zagreb / Henri Gallbronner 02.08.2018

Auf Englisch eine Rede halten – für viele eine Horrorvorstellung. Für Louisa Brög, frisch gebackene Abiturientin am Hans-und-Sophie-Scholl-Gymnasium kein Problem. Nach dem Abi ging es für sie als Teil der deutschen Nationalmannschaft zu den „World Schools Debating Championships“ (WSDC) in Zagreb.

Mit der Debating-WM kam sie zum ersten Mal 2016 in Berührung, als die Veranstaltung in Stuttgart stattfand. „Da war ich als Helferin mit dabei“, erinnert sie sich. Danach hat sie zunächst in der Debating-AG des Scholl-Gymnasiums mitgemacht.

Das Auswahlverfahren für die WM dieses Jahr begann bereits im September 2017: Über das ganze Schuljahr hinweg fanden dann Auswahlturniere für das fünfköpfige Team statt, das die Debating Society Germany nun in Kroatien vertreten darf.

Wie die Fußball-WM auch, bestehen die WSDC aus Vorrunde und K.o.-Phase – Gruppen gibt es allerdings keine: Die ersten beiden Runden werden bereits im Voraus ausgelost. Für die weiteren vier Vorrundendebatten bekommt man jeweils einen Gegner zugeteilt, der genauso oft gewonnen hat wie das eigene Team. Danach folgen die K.o.-Duelle, beginnend mit den sogenannten „Partial Octos“ also einer Art Sechzehntelfinale.

Louisa Brög und das deutsche Team haben sich auf die WM, die am 19. Juli begonnen hat, in Prag bei einem Vorbereitungsturnier eingestimmt: „Wir haben das Achtelfinale leider knapp verpasst“, sagt sie. Dennoch sei sie mit der Leistung zufrieden.

In der ersten WM-Runde ging es dann gleich gegen England, einen der Titelaspiranten – auch hier verlor man knapp, konnte aber im Zweitrundenmatch gegen Armenien den ersten Sieg des Turniers einfallen.

Die Themen der Debatten kommen aus den verschiedensten Feldern, zum Beispiel aus der Politik oder der Wirtschaft. „Es sind alles international relevante Themen“, erklärt Luisa Brög. Bei der WM wurde unter anderem über die umgangssprachlich „Neue Seidenstraße“ genannte chinesische Wirtschaftsinitiative „One Belt, One Road“ diskutiert. Fällt einem mal nicht so viel ein, „muss man halt kreativ sein“, meint Brög.

Jedes der beiden Teams, die entweder die Pro- oder die Kontra-Seite vertreten müssen, wählt für jede Debatte drei Sprecher aus, die zunächst in achtminütigen Reden ihre Argumente vortragen. „Während dieser Reden sind Zwischenfragen erlaubt, die kann der Redner aber ablehnen“, sagt die Blausteinerin Brög. Danach fasst je einer der drei Sprecher die Debatte in einem vierminütigen Vortrag zusammen.

Das deutsche Team konnte in der Vorrunde nur noch eine weitere Debatte gewinnen und musste die Weltmeisterschaften in der Folge bereits vor der K.o-Runde verlassen. Im Finale standen sich China und Indien gegenüber: Letztendlich sicherte sich das Team aus dem Reich der Mitte den Titel.

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