Ulm/Neu-Ulm Ernstfall-Übung in Ulm

Ulm/Neu-Ulm / WILLI BÖHMER 29.06.2016
Anschlag auf dem Münsterplatz – so zu sehen am 30. Juni. Die Bundeswehrübung ist Teil einer Konferenz über die  Versorgung Verwundeter.

1300 Teilnehmer aus 30 Ländern haben sich angemeldet. Die Konferenz, die auf so großes internationales Echo stößt, befasst sich mit der Versorgung Verwundeter während militärischer Auseinandersetzungen, beispielsweise in Auslandseinsätzen  oder nach Terroranschlägen.

Organisator ist das Bundeswehrkrankenhaus Ulm, unterstützt durch andere Bundeswehreinrichtungen. Der Kongress findet im Neu-Ulmer  Edwin-Scharf-Haus statt, Workshops gibt es dazu in mehreren Kasernen in  und um Ulm. Und am Donnerstag verwandelt sich der Ulmer Münsterplatz in ein Übungsgelände, auf dem Rettungskräfte der Bundeswehrklinik den Ernstfall demonstrieren (siehe Info-Kasten).

Teilnehmer des Kongresses CMC trägt (Combat medial care – medizinische Versorgung in  Kampfsituationen) sind nicht nur Bundeswehrmediziner aus der ganzen Republik. Die Polizei ist längst dazu übergegangen, vor allem ihre Spezialkräfte in der Notfallmedizin auszubilden. Sie stellt einen Teil des Teilnehmerfeldes. Und weil nach den Terroranschlägen in Paris, Ankara und Istanbul die medizinische Versorgung Verletzter mit Schuss-, Brand- und Explosionsverletzungen auch zivile Mediziner und Kliniken beschäftigt, nehmen  erstmals an die 400 zivile Ärzte und Retter am Kongress teil.

„Wir wollen Erfahrungen, die Bundeswehrärzte während ihrer Auslandseinsätze beispielsweise in Afghanistan machten, an zivile Kollegen und Rettungskräfte weiterzugeben“, sagt Florent Josse, Oberfeldarzt im Bundeswehrkrankenhaus und Hauptorganisator der Veranstaltung. Es geht um komplexen Verletzungsmuster, aber auch um die Erfahrung, dass Helfer vor Ort auch selbst in Gefahr sind. „Wir müssen die Gefahrenzone schnell erreichen, aber auch schnell wieder verlassen“, sagt Josse. Der Wissensaustausch sei wichtig für die zivile Medizin. Schließlich haben Rettungskräfte und zivile Ärzte wenig mit Schuss- und Detonationsverletzungen zu tun. Mit Terroranschlägen und Geiselnahmen durch Einzeltäter müssten sich auch Kliniken und Ersthelfer auf solche Situationen einstellen.

Während des Kongresses wird eine Pariser Feuerwehrärztin über ihren Einsatz am Pariser Stade de  France berichten. Ein Pariser Polizeiarzt berichtet über seine Arbeit nach den Anschlägen auf die Konzerthalle Bataclan in der Hauptstadt. „Es geht auch darum: Wie haben die Kliniken reagiert? Wie war der Masterplan? Wie war man vorbereitet?“, sagt Josse.

Die Konferenz findet zum zweiten Mal in Ulm/Neu-Ulm statt, im jährlichen Wechsel mit dem Bundeswehrzentrum für spezielle Operationen in Pfullendorf. 140 internationale Referenten sprechen in 90 Sitzungen und 22 Workshops.

Für die Öffentlichkeit

Info-Schau Der Kongress ist nur für angemeldete Teilnehmer geöffnet. Die Präsentation am Donnerstag auf dem Münsterplatz ist für die Öffentlichkeit gedacht. Von 10 bis 15 Uhr gibt es eine Informationsschau über die Arbeit des Bundeswehr-Sanitätsdienstes während der Auslandseinsätze, etwa in Afghanistan. Um 11 Uhr und 12.30 Uhr zeigt die Sektion Notfallmedizin der  Bundeswehrklinik in Übungen, wie Verwundete unter Bedrohung versorgt werden.