Ratiopharm Erneut Stellenabbau bei Ratiopharm

Tristesse bei Ratiopharm im Donautal: Am Standort Ulm gehen erneut rund 100 Arbeitsplätze verloren. Dabei kommt es auch zu betriebs­bedingten Kündigungen. Gleichzeitig entsteht bis 2020 eine große Biotech-Anlage.
Tristesse bei Ratiopharm im Donautal: Am Standort Ulm gehen erneut rund 100 Arbeitsplätze verloren. Dabei kommt es auch zu betriebs­bedingten Kündigungen. Gleichzeitig entsteht bis 2020 eine große Biotech-Anlage. © Foto: Könneke
Ulm / Frank König 10.03.2017

Beim Arzneimittelhersteller Teva kommt es am Ratiopharm-Standort Ulm in erheblichem Umfang zu Kündigungen. Für den Standort ist demnach ein „Redesign“ – also ein Neuentwurf – geplant, der auch mit Einsparungen und einem nennenswerten Personalabbau verknüpft ist. In einer am Donnerstag im Ratiopharm-Werk im Donautal ausgehängten Teva-Konzernmitteilung  heißt es zwar, man wolle die Zahl der betriebs­bedingten Kündigungen mittels Frühverrentungen und Vereinbarungen zum freiwilligen Ausscheiden möglichst gering halten. Allerdings gehe man „nach derzeitigem Stand aber dennoch davon aus, dass Kündigungen im höheren zweistelligen Bereich unumgänglich sein werden“. Dies bedeutet, dass insgesamt mehr als 100 Arbeitsplätze wegfallen. Teva beschäftigt in den Werken Ulm und Blaubeuren-Weiler 2500 Mitarbeiter, davon 500 in Weiler.

„Duplikationen vermeiden“

Bereits im Herbst 2015 hatte der israelische Pharmakonzern Teva für Ratiopharm den Abbau von 100 Vollzeitstellen verkündet – damals vor allem in der Produktion. Andererseits läuft der Ausbau des Standorts zu einem Biotech- und globalen Technologie-Zentrum, für das wiederum neue Stellen geschaffen werden. Dieser Aufbau hat mit 40 neuen Mitarbeitern bereits begonnen.

Auch Mitarbeiter, deren Arbeitsplätze nun wegfallen, können sich auf die Biotech-Stellen bewerben. Es blieb zunächst offen, welche Abteilungen von den Kündigungen betroffen sind. In der Konzernmitteilung heißt es, ein wesentlicher Anlass für den Abbau sei der Erwerb von Actavis mit 15.000 Mitarbeitern im vergangenen Jahr. In der Folge beabsichtige man, „Duplikationen zu vermeiden“ und Einspareffekte zu erzielen. Der weltweite Preisverfall bei Medikamenten erhöhe den Spardruck, denn es gehe darum, den Kaufpreis für Actavis – rund 40 Milliarden US-Dollar – zügig zu refinanzieren. Die jährlichen Einsparungen sollen 1,4 Milliarden Dollar betragen.

Dies soll auch dadurch erreicht werden, dass „Routinearbeiten und marktferne Tätigkeiten“ in auf die globalen Märkte ausgerichteten Zentren des Konzerns erledigt werden, heißt es. Dabei rückt mit Actavis vermutlich auch Osteuropa stärker ins Blickfeld.

Verhandlungen laufen an

Die Verhandlungen mit dem Betriebsrat über den Personalabbau haben inzwischen begonnen. Die betroffenen Abteilungen sollen von ihren Führungskräften über die weitere Vorgehensweise informiert werden. Dies teilen in dem Rundbrief Teva-Deutschlandchef Markus Leyck Dieken und drei weitere Manager mit. Man habe sich die Entscheidung zum Stellenabbau nicht leicht gemacht und sei gleichzeitig „mit dem Umbau zum Hightech-Standort Ulm/Weiler auf dem richtigen Weg“. Mit Investitionen wie in den Bau der Biotech-Anlage und des Global Technology Centers messe Teva dem Standort Deutschland auch künftig eine führende Rolle innerhalb des Konzerns bei, lautet das Fazit.

Pressesprecher Markus Braun bestätigte zwar das Vorhandensein des Mitarbeiterbriefs, wollte aber in diesem Stadium zu den Details keine Stellung nehmen. Der Sprecher betonte vielmehr, die neue Biotech-Anlage bedeute eine zukunftsweisende Investition in den Standort. Die Zahl der Projektmitarbeiter solle bis Ende 2018 auf 80 verdoppelt werden. Im Vollbetrieb sollen es 300 neue hochqualifizierte Stellen werden.

Die Anlage, in die Teva einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag investiert, wird zum Jahreswechsel 2019/2020 fertig und nimmt auch mit 32 Metern Höhe beachtliche Ausmaße an. Die ersten Biotech-Medikamente sollen 2020 auf den Markt kommen.

Der Grundstein für Biotech in Ulm wurde schon von der Alteigentümerfamilie Merckle gelegt, die für den Generika-Hersteller Ratiopharm eine allererste Biotech-Produktion aufbaute. Teva erprobt nun auch neue Produktionsmethoden wie individuelle Tabletten aus dem 3-D-Drucker.

Teva hat Ratiopharm von Merckle übernommen

Einstieg Der israelische Pharmakonzern Teva als Weltmarktführer bei Generika – also Medikamenten, deren Kopierschutz abgelaufen ist – hatte Ratiopharm in Ulm 2010 nach der Krise der Merckle-Gruppe übernommen.

Konzern Teva beschäftigt 58 000 Mitarbeiter, verfügt über 66 Produktionswerke und stellt nach eigenen Angaben jährlich 64 Milliarden Tabletten und Kapseln her. In der EU werden demnach minütlich 2500 Packungen verkauft.

Umsatz Der Umsatz betrug zuletzt rund 22 Milliarden US-Dollar, ein Zuwachs um elf Prozent, wegen der Akquisition von Actavis. In Ulm ist Teva mit Ratiopharm auch als Namenssponsor der Basketballer und der Arena bekannt.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel