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Missbrauch
Ulm / SWP Ein junger Mann hat seine Mithäftlinge mehrere Tage lang geschlagen, misshandelt und einen von ihnen vergewaltigt. Seit Dienstag steht der 19-Jährige nun vor Gericht.

Zum Prozessauftakt am Dienstag vor der großen Strafkammer des Ulmer Landgerichts gab es ein Geständnis des Angeklagten – aber mehr nicht.

Über seinen Anwalt hatte der 19-Jährige erklären lassen, dass alle gegen ihn erhobenen Vorwürfe zutreffen. Er selbst wollte sich dazu nicht äußern.

Am Dienstagmittag kam es im Ärztehaus in Söflingen zu einem Großeinsatz der Feuerwehr. Dort wurden Säuredämpfe freigesetzt.

Schwerer Missbrauch von Mithäftlingen

Die elf Anklagepunkte haben es in sich. Über Wochen hinweg hat der junge Mann seine Mithäftlinge in der Ulmer Vollzugsanstalt geschlagen und malträtiert, blutige Nasen und Abschürfungen im Gesicht waren die Normalität. Am schwersten aber wiegt der Vorwurf der schweren Vergewaltigung. Demnach hat der 19-Jährige einem 61-jährigen Zellennachbarn eine Gabel mit dem Griff voraus in den After gesteckt und brutal zugetreten. Eine Tat mit schwerwiegenden Folgen. Der Mann erlitt schwere innere Verletzungen. Hinzu kam eine Bauchfellentzündung, zeitweise bestand Lebensgefahr, die erst durch eine Notoperation abgewendet werden konnte. Heute muss der Mann mit einem künstlichen Darmausgang leben. Zu seinen persönlichen Verhältnissen gab der in Ulm geborene Angeklagte an, von frühester Kindheit an von seinen Eltern geschlagen worden zu sein. „Ich verstehe nicht, was ein vierjähriges Kind alles falsch machen kann, um so viele Schläge abzubekommen“, sagte er.

Prozess-Fortsetzung am Freitag

Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt. Dann wird der Hauptgeschädigte als Zeuge vernommen. Erst im vergangenen Jahr war ein ähnlicher Fall aus der Ulmer Justizvollzugsanstalt vor dem Landgericht verhandelt worden.

Opfer von Misshandlungen in der U-Haft schildert zweieinhalb Stunden lang, was er hinter Gittern alles ertragen musste.