Altlasten Moco-Areal: Erdreich ist stark verseucht

Blick vom Blautalcenter-Parkhaus aufs Moco-Areal: Dort laufen derzeit noch die Abbrucharbeiten.
Blick vom Blautalcenter-Parkhaus aufs Moco-Areal: Dort laufen derzeit noch die Abbrucharbeiten. © Foto: Lars Schwerdtfeger
Ulm / Carolin Stüwe 17.05.2018
Bevor das ehemalige Moco-Areal ein neues Gewerbegebiet wird, muss erst der belastete Boden entsorgt werden.

Die Stadt Ulm will auf dem ehemaligen Moco-Areal an der Blaubeurer Straße auf 60.000 Quadratmetern Fläche mehrere Gewerbebetriebe ansiedeln. Wie berichtet, sind auch Erweiterungen bereits ansässiger Firmen sind möglich.

Vorher jedoch muss die Stadt, die inzwischen Besitzer des Geländes des ehemaligen Moco-Hobelwerks ist, in Teilbereichen den belasteten Boden tiefgründig austauschen lassen. Er wurde von der einstigen Firma Gebrüder Braun mit krebserregenden polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen verseucht. An manchen Stellen überschreiten die Teer­ölrückstände den zulässigen Grenzwert um das Tausendfache.

Die Altlasten-Sanierung soll im Herbst 2019 beginnen und mindestens bis Ende 2020 dauern.  Kann dann die Vermarktung der Grundstücke überhaupt pünktlich beginnen? Dazu sagte Ulrich Soldner, der Leiter der Abteilung Liegenschaften, auf Anfrage: Er rechne mit „keinerlei zusätzlichen Verzögerungen“. Denn Zeit brauchen genauso die Erschließungs- und Bebauungsplanung sowie der Bau der Zufahrtsstraßen.

Zurück zu den Altlasten: Da der Boden an einigen markanten Stellen bis zu einer Tiefe von 17 Metern mit Teer­ölrückständen und polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen verseucht ist, muss viel Erdreich ausgetauscht werden. „Wir müssen 80.000 Tonnen entsorgen“, sagte Kristina Schenk, Geologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin der städtischen unteren Bodenschutz- und Altlastenbehörde, nun im Umweltausschuss.

Große Bohrlöcher

Parallel dazu wird noch mindestens zwei Jahre lang auf dem betroffenen Flurstück das Grundwasser abgepumpt.  Das soll verhindern, dass durch den Aushub mobilisierte Schadstoffe unkontrolliert tief unten im Karstwasser mit- und in die Nachbarschaft abfließen.  Das Erdreich wird jedoch nicht großflächig abgetragen. Sondern über „Großlochbohrungen“ im Durchmesser von zwei Metern werden die am stärksten belasteten Bodenschichten herausgeholt. Dann wird jedes Loch gleich wieder mit Kies oder weiter oben mit Erde befüllt, damit im Untergrund nichts einstürzt.

Untersuchungen der Altlastenbehörde zufolge kommt als Verursacher nur die einstige Firma Gebrüder Braun in Frage. Denn diese hat an dem Standort von 1881 bis 1983 ein Bitumen-Mischwerk betrieben und Dachpappe hergestellt. Auf dem Gelände standen beispielsweise eine Teer­destillationsanlage, ein Rohteertank und ein Tank für das Rohbenzol. „Die Teerölrückstände tröpfeln heute noch durchs Erdreich“, berichtete Kristina Schenk und zeigte Fotos von Messstellen, an denen das Grundwasser immer noch als „braune Brühe“ austritt.

Da die Firma Gebrüder Braun nicht mehr existiert, kann sie nicht als „Störer“ herangezogen werden. Und weil die Firma Molfenter unter dem Markennamen Moco diesen Standort geräumt hat, bleibt die Stadt, die bereits beim Grundstückskauf von den Altlasten wusste, auf den enormen Sanierungskosten sitzen.

Sie belaufen sich auf 17,6 Millionen Euro, einschließlich 1,5 Millionen Euro für Unvorhergesehenes. Zwar können für die Sanierung von Bodenverunreinigungen auf Grundstücken, die nach dem Stichtag 1. Januar 2001 erworben wurden, keine Zuschüsse beantragt werden. Im vorliegenden Fall jedoch greift die Städtebauförderung, weil das Moco-Areal letztlich über eine neue Zufahrtsstraße an das bestehende Sanierungsgebiet Dichterviertel angebunden wird (siehe Infokasten).

Wo wird die Erde entsorgt?

Im April wurde der Zuwendungsantrag gestellt. Sollte am 19. Juli der Verteilerausschuss für den Altlastenfonds, der beim Umweltministerium eingerichtet ist, positiv entscheiden, könnte die Stadt mit einem Zuschuss in Höhe von 10,2 Millionen Euro rechnen. Schenk: „Ich bin guter Dinge, dass wir berücksichtigt werden.“

FWG-Stadtrat Gerhard Bühler wollte wissen, wo das belastete Erdreich entsorgt wird. Ein Teil wird wohl auf eine der wenigen Spezialdeponien in Deutschland gebracht, und der stark belastete Anteil muss verbrannt werden.

Solch eine Anlage befindet sich beispielsweise auch in Nordrhein-Westfalen. Grünen-Stadtrat Michael Joukov drängte darauf, dass bei der entsprechenden Ausschreibung auch an den Transport per Bahn gedacht wird.  Der Umweltausschuss nahm den Bericht nur zur Kenntnis, aber der Gemeinderat wird nicht daran vorbeikommen, dem notwendigen Vorhaben zuzustimmen.

Anbindung an die Schillerstraße geplant

Erschließung Bereits 2014 hat der Ulmer Gemeinderat den städtebaulichen Rahmenplan zur Neugestaltung der Flächen nördlich der Blaubeurer Straße beschlossen. Dazu gehört der Bau einer neuen Erschließungsstraße. Sie soll als Verlängerung der Schillerstraße beginnen, unter der Wallstraßenbrücke hindurch führen und hinter Ikea parallel zur Blaubeurer Staße an den Bahnanlagen entlang verlaufen. Auf Höhe der Magirusstraße soll die Straße dann in einem Bogen auf die Blaubeurer Straße treffen.

Vermarktung Nach dem Bebauungsplanverfahren übernimmt der Stadtentwicklungsverband Ulm/Neu-Ulm (SUN) Ende 2020 die Vermarktung. SUN ist eine gemeinsame Tochtergesellschaft beider Städte, deren Geschäftsführer auf Ulmer Seite Ulrich Soldner und auf Neu-Ulmer Seite Peter Stamm ist. Interessenten für die Grundstücke stehen Schlange.