Er ließ lieber seine Kunst sprechen

Tassilo Mozer 2011 in der Galerie im Kornhauskeller. Archivfoto
Tassilo Mozer 2011 in der Galerie im Kornhauskeller. Archivfoto
UDO EBERL 18.09.2012
Er war Förderpreisträger der Stadt Ulm, lebte in der Nähe von Florenz. Dort ist Tassilo Mozer vergangene Woche überraschend verstorben.

Zuletzt hatte Tassilo Mozer bei der Triennale der Ulmer Kunst im Ulmer Museum wieder ein klares Zeichen gesetzt. Wie ein dunkler Monolith stand seine Arbeit im Raum. "Schau mal, da ist ein Mozer", hörte man die Kenner sagen. Er hatte seinen charakteristischen Stil. Ob Stelen, Pfeiler, sich gen Himmel Reckendes aus unterschiedlichsten Materialien, zur Decke hinwachsende Quader oder immer neue Varianten des Kubus, die sich bewusst eine Spur neben der perfektionistischen Linie bewegten.

Einen Mozer erkennt man. Und das allein ob seiner Kunst, die 1992 mit dem Förderpreis der Stadt Ulm honoriert wurde. 1994 war Mozer Stipendiat der Kunststiftung Baden-Württemberg. Als extrovertierter Selbstdarsteller ist der feine Geist, der seine künstlerischen Ideen auch mit Aquarellen festhielt, niemals in Erscheinung getreten. Er ließ lieber seine Kunst sprechen, war ein wacher Zuhörer, zudem ein Sammler von Eindrücken.

Seit mehr als 20 Jahren in Florenz und zuletzt in Prato lebend, sprach Tassilo Mozer perfektes Italienisch "mit leicht schwäbischem Akzent" und wurde deshalb noch lange nicht zum sprudelnden Fiorentiner. Sinnierend im Hof der Accademia Di Belle Arti oder vertieft in Manuskripte der Biblioteca Medicea Laurenziana, diese Bilder passten zu Tassilo Mozer. Aber Tassilo Mozer führte zum zusätzlichen Broterwerb auch ganze Schulklassen durch Florenz und konnte sie für die Kulturschätze der toskanischen Weltstadt begeistern.

Vor wenigen Tagen, auf der Piazza San Spirito ein wenig abseits vom Trubel, erzählte Tassilo Mozer von den Plänen für die Zukunft. Gerade erst wieder einen Tag aus Ulm, der Heimat, zurück, wollte er sich intensiver um Ausstellungen bemühen, hatte einige künstlerische Ideen im Kopf, plante den Umzug von Prato nach Florenz. Ja, fast wäre er ins Sprudeln gekommen, dann machte er sich wieder auf in Richtung Uffizien.

In der Nacht vom Dienstag auf Mittwoch verstarb Tassilo Mozer im Alter von 49 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts. Tassilo Mozer wird am Freitag, 10.15 Uhr, auf dem Ulmer Friedhof beigesetzt.