Ein Gespräch mit ihm hinterließ das Gefühl, etwas Seltenes gefunden zu haben. Am liebsten hätte man es für sich behalten, damit auch nichts kaputtgehe. Doch so behutsam dieser alte Herr seine Gedanken formulierte, so haltbar blieb das, was er sagte. "Dass man klar im Kopf sein muss, um eine klare Bedeutung herzustellen", so fasste Martin Krampen seine Lehre zusammen, die auch die Lehre "seiner" HfG war. Von Donnerstag auf Freitag ist Krampen im Alter von 87 Jahren verstorben, und mit ihm einer der wenigen, die noch von den Anfängen der legendären ehemaligen Hochschule für Gestaltung erzählen konnten.

Im Jahr 1928 in Siegen geboren, hatte er in Tübingen und Heidelberg zunächst Theologie, Psychologie und Kunstgeschichte studiert, hatte in Rom gelebt und eine Galerie in Florenz betrieben, wo er - diese Geschichte erzählte er gerne und anschaulich - damals noch umstrittene Künstler wie Robert Rauschenberg und Cy Twombly ausstellte.

Die Kunde von einer neuen Gestaltungshochschule in Ulm "elektrisierte" ihn. Als einer der ersten Studenten kam er Anfang der 1950er, um eine Schule mit aufzubauen, die zunächst nur in Gedanken bestand - die Studenten mussten noch beim Wändestreichen helfen, erzählte Krampen. Das Erlebnis aber muss ihn gebunden haben: 1967 kehrte er aus den USA zurück, um als Dozent für Zeichentheorie und Sozialwissenschaften an der HfG zu unterrichten.

Ein Jahr später zensierte er die letzten Diplomarbeiten, denn 1968 schloss die HfG für immer. Martin Krampen aber behielt sein Dozentenhäuschen auf dem Oberen Kuhberg, wo er bis zuletzt lebte. Ulm blieb seine Heimat, auch als Lehrbeauftragter für Semiotik an der HfG in Schwäbisch Gmünd, auch als Professor an der Hochschule der Künste in Berlin.

Als Künstler arbeitete er bis ins hohe Alter an seinen "Decollagen" und ging regelmäßig in die inzwischen renovierte HfG-Mensa zum Mittagessen. Noch am vergangenen Donnerstag wurde er dort gesichtet, klar in Gedanken bis zum Schluss.