Ulm / Christine Liebhardt Ein Teil der Ulmer Magirusstraße soll umgebaut werden, mit Multifunktions- und Fahrradstreifen. Ein Parkplatz fällt weg.

Es war, wie Baubürgermeister Tim von Winning es formulierte, ein klassischer Konflikt: „Wir haben begrenzten Platz, viele Ziele und müssen abwägen, weil nicht alles in Maximalform möglich ist.“ Während die Auslegung des Bebauungsplans für das ehemalige Gummi-Welz-Areal im Stadtentwicklungsausschuss schnell beschlossene Sache war, dauerte die Debatte darüber, wie die Magirusstraße umgestaltet werden soll, länger. Sie grenzt an das Gelände, auf dem wie berichtet ein neues gemischtes Quartier aus Wohnen und Gewerbe entstehen soll.

„Das Stadtbild verbessern“

Der Abschnitt zwischen Söflinger und Einsteinstraße markiert den Übergang zwischen Wohnen und Industrie, wie Chef-Verkehrsplaner Michael Jung sagte. „Wir wollen das Stadtbild an dieser Stelle verbessern“, erläuterte er – gerade mit Blick auf die neu entstehenden Wohnungen. Deshalb soll dieser Teil der Magirusstraße einen Multifunktionsstreifen in der Mitte der Fahrbahn bekommen. Außerdem soll es Verbesserungen für den Rad- und Fußverkehr geben und eine einheitliche Begrünung. Weil die FWG deshalb um Parkplätze gefürchtet hatte, hat die Stadtverwaltung zusätzlich zum ursprünglich vorgesehenen Längsparken eine Variante mit Querparkplätzen entwickelt. Im Detail:

Variante 1 Sie sieht vor, dass Autos auch künftig längs der Straße parken. Ein öffentlicher Stellplatz würde auf der westlichen Seite wegfallen. So ist Platz für einen vier Meter breiten Gehweg im Westen, anderthalb Meter Fahrrad-Schutzstreifen auf beiden Seiten sowie je zweieinhalb Meter für die Fahrbahnen und den Multifunktionsstreifen. In dieser Variante sieht Jung große Vorteile: Sie ist mit 1,3 Millionen Euro nicht so teuer wie die Alternative. Vor allem aber ist die Sicherheit für Radfahrer deutlich höher.

Variante 2 Hier parken Autos senkrecht zur Straße, wodurch auf der Westseite zehn neue Parkplätze entstehen würden. Weil die zur Straße hin aber mehr als doppelt so viel Raum einnehmen wie beim Längsparken, muss der Platz woanders abgezwickt werden: Der Gehweg ist dann nur knapp drei Meter, die Fahrbahn zwei Meter breit, auch der Multifunktionsstreifen verschmälert sich etwas. Kosten: 1,7 Millionen Euro. Der für Tim von Winning relevanteste Nachteil: Autofahrer müssten rückwärts ausparken – und zwar ohne zu sehen, ob hinter ihnen ein Radfahrer kommt.

Ohne Wenn und Aber stimmten die Grünen für Variante 1. Das Senkrechtparken sei „wahnsinnig gefährlich“, befand die selbsternannte Schönwetter-Radlerin Denise Niggemeier. „Ich hab’ meine Tochter hintendrauf und musste da schon öfter in Vollbremsung gehen, da wird einem angst und bange.“ Brigitte Dahlbender (SPD) sagte, ein qualitativ hochwertiges Wohnumfeld sei wichtig. Die Straßenbahn garantiere die Erreichbarkeit der Läden. „Wir vernichten nicht großräumig Parkflächen.“

Eine andere Meinung hatte Karl Faßnacht (FWG). Der Einzelhandel überlebe nur mit ausreichend Parkplätzen. Auch sei die Magirusstraße eine wichtige Durchgangsstraße, „die nie eine Quartiersstraße werden wird.“ Ihre Funktion dürfe nicht verloren gehen „vor lauter Bäumle und Klein-Klein“. Sein Fraktionskollege Gerhard Bühler wollte wissen, ob Schrägparken die Situation verbessern würde. Kaum, antwortete von Winning. Es wären nur fünf, sechs Stellplätze gewonnen und: „Die Sicherheitsproblematik wäre nicht verbessert.“

Für die CDU sei Sicherheit „ganz wichtig“, sagte Siegfried Keppler, ebenso wie die grüne und städtebauliche Gestaltung. Er rühmte den Multifunktionsstreifen in der Karlstraße: „Ich hätte nicht erwartet, wie mühelos das Queren geht.“ Sein Fraktion sehe in Variante 1 keine Einschränkung der Magirusstraße, sondern „eine wesentliche Verbesserung“.

Zum Schluss waren dann doch alle für die großzügigere, sicherere und günstigere Variante 1. Der Ausschuss gab der Verwaltung den Auftrag, eine Machbarkeitsstudie zu erstellen. Geht alles seinen Weg, ist der Umbau für 2021 geplant.

200 Wohnungen entstehen

Mischquartier In einem ersten Bauabschnitt sollen auf dem ehemaligen Gummi-Welz-Areal 50 Wohnungen sowie Gewerbeflächen und 65 Tiefgaragen-Stellplätze entstehen. Insgesamt sind rund 200 Wohnungen geplant. Bauherr ist der Ulmer Investor Munk, der das Areal gekauft hat. Zwei bestehende Gebäude sollen erhalten bleiben, drei neue sollen sich unter anderem durch die Fassadengestaltung deutlich voneinander unterscheiden.

Kita Ein ursprünglich geplanter Kindergarten wurde von der Verwaltung verworfen, weil sie in der Weststadt ausreichend Plätze sieht. Tim von Winning versprach aber, den Bedarf zu beobachten und gegebenenfalls zu reagieren.