Ensemble Exvoco und die Welt der Sprache

GOTTFRIED LOTHAR 30.10.2012

Der plötzliche Wintereinbruch hielt wohl die eine oder den anderen davon ab, den Weg zur Museumsgesellschaft Ulm doch noch auf sich zu nehmen. So kamen lediglich handverlesen wenige Besucher in den Genuss eines außergewöhnlichen Konzertabends aus Anlass der Ausstellung "Aufbruch von Ulm entlang der Donau".

Seit 40 Jahren arbeitet das Ensemble Exvoco (Expanded Voice Company Stuttgart) an den Grenzen zwischen Musik, Sprache und Theater. Die Spezialisten für Klangdichtungen hatten unter dem Titel "Zack Hitti Zopp" Texte und Musik von 15 Autoren und vier Komponisten aus sieben Donauländern zusammengestellt.

Mit Hammerschlägen auf Notenpulten eröffneten Ewald Liska, Angelika Meyer und Frank Wörner den Abend mit Dada-Poesie von Arp, Serner und Tzara. Dass dabei versehentlich ein Lichtausfall provoziert wurde, hätte fast schon zum Programm gehören können. Die drei Künstler formten mit ihren Stimmen Konsonanten, Vokale und viele sonderbare Klänge - mit einer Präzision, die immer wieder staunen machte. Alleine, zu zweit oder zu dritt entstanden so Laut-, Wort- und Textgebilde, denen man genauestens zuhören musste, um dem sonderlichen Spaß an der Sache folgen zu können. Zimbeln, Glocken und Pfeifen unterstützten dabei ebenso wie Schmirgelpapier, Küchenquirl und Kochlöffel. Zeitungsmeldungen wurden bei Gerhard Rühm rhythmisiert vorgetragen, und manche Titel erklärten sich selbst wie "Atemgedicht" oder "So lange wie möglich".

Zwischendrin spielte Urs Liska Klavierstücke von Schönberg, Kurtág, Wellesz und Lourié mit eindrücklicher Intensität und überragendem Verständnis für die Werke. In der "Phonetik des Theaters" von Alexej Krutschonych half Tee beim Gurgeln, dann sorgten Radieschen für süßes Weinen und schließlich ersoffen die Exvoco-Akteure zum Abschluss dieses köstlichen Abends mit dem Unterwasserrohr.

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