Ulm/Neu-Ulm Energiewende kostet Jobs: Stadtwerke Ulm bauen Personal ab

Stadtwerke Ulm (SWU)
Stadtwerke Ulm (SWU) © Foto: Volkmar Könneke
Ulm/Neu-Ulm / HANS-ULI THIERER 12.04.2013
Die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm stecken in finanziellen Schwierigkeiten. Eine Konsequenz: Es wird Personal abgebaut. Wie viele Stellen es sein werden, wird nicht gesagt, Größenordnungen sind aber angedeutet.

Fünf Prozent von 1100 sind 55. Legt man eine Erklärung der Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm (SWU) zugrunde, muss binnen eines Jahres damit gerechnet werden, dass im Zuge eines Sparprogrammes 55 Arbeitsplätze abgebaut werden. Diese Zahl lässt sich schließen aus der Antwort auf eine Anfrage der SÜDWEST PRESSE, welche Einsparmaßnahmen geplant seien, nachdem die Geschäftsbilanz 2012 ein Minus von 15 Millionen Euro aufweist (wir berichteten). Detaillierte Zahlen wird SWU-Chef Matthias Berz dem Aufsichtsrat Ende April vorlegen.

Das Minus ist vor allem eine Folge der Energiewende, die durch das Reaktorunglück von Fukushima ausgelöst worden ist. Weil Ökostrom stark durch das Einspeisegesetz subventioniert wird, ist mit moderner konventioneller Stromherstellung derzeit kein Geld mehr zu verdienen. Im Gegenteil, so erläutert Oberbürgermeister Ivo Gönner als SWU-Aufsichtsratschef und Vorsitzender des Verbandes kommunaler Unternehmen: Investitionen wie die ins Kohlekraftwerk Lünen, ins Gaskraftwerk Hamm oder in den Offshore-Windpark Borkum rechneten sich nicht mehr, sondern erzeugten Defizite. In der Konsequenz zwingt die Energiewende die SWU also zu Sparmaßnahmen – den Abbau von Arbeitsplätzen inbegriffen.

Unsere Anfrage dazu beantwortete Eduard Tschauner, Leiter des SWU-Hauptgeschäftsfeldes kaufmännische Dienstleistungen, mit den Hinweis auf ein Programm „SWU-Fit für die Zukunft“: Mitarbeiter machen Vorschläge, wo gespart werden kann. Im Wirtschaftsplan 2013 sei als Ziel eine Ergebnisverbesserung um 500.000 Euro geplant. Tschauner: „Angesichts des Jahresabschlusses 2012 erhält das Projekt noch höhere Bedeutung.“

Parallel zur Mitarbeiterbeteiligung analysieren die Geschäftsführer der SWU-Töchter unter Berz alle Geschäftsprozesse. „Als Rahmenmaßnahme wurde ein grundsätzlicher Einstellungsstopp ausgesprochen.“ Dies führe automatisch zu Personalabbau, denn die jährliche Fluktuation liege bei fünf Prozent der Mitarbeiter (Rente, Familienzeit, Umzug, Karriere), was bei 1100 Beschäftigten 55 sind. Man beherzige das alte Prinzip, dass frei werdende Stellen zu neuen Aufgabenverteilungen führen. Bei „gleichzeitiger Optimierung der Geschäftsprozesse“ führe dies zu Einsparungen.

Für die Belegschaft entscheidend dürften diese Sätze Tschauners sein: „Betriebsbedingte Kündigungen sind in kommunalen Unternehmen praktisch unmöglich und faktisch nicht geplant.“ Unternehmensweite Einsparungen seien aber nur möglich, „wenn am Umfang der Belegschaft eingespart werden kann“. Schlicht gesagt: Die SWU bauen Personal ab, ohne dass es zu Kündigungen kommen soll.

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