Nahverkehr Endspurt in der Olgastraße – Straßenbahn fährt ab Montag wieder

Verena Schühly 09.09.2017
Die Arbeiten an den Gleisdreiecken sind fast abgeschlossen, damit ab Montag die Straßenbahn wieder fährt. In der Neutorstraße wird noch bis November gebaut.

Montagmorgen 4.14 Uhr wird in Ulm wieder die Straßenbahnlinie 1 fahren. „Das ist unser Ziel. Aber bis dahin wird es echt sportlich“, sagt Johann Karmann. Der Bauoberleiter für die Linie 2 spricht von Doppelschichten, Arbeit am Wochenende und allen verfügbaren Mann auf der Baustelle an der Ecke Olga-/Neutorstraße. Dort ist in den vergangenen sechs Ferienwochen das Gleisdreieck eingebaut worden: die Abzweigung der künftigen Strecke auf den Eselsberg.

Um die Weichen einzusetzen, mussten die alten Schienen raus. Das bedeutete: Die Straßenbahn konnte nicht mehr fahren, statt dessen wurden Busse eingesetzt. Zum Schulbeginn aber brauchen die Stadtwerke Ulm (SWU) wieder die Bahnen mit ihrer größeren Transportkapazität.

Das zweite Gleisdreieck ist an der Ecke Wagner-/Beyerstraße entstanden. Dort ist die Abzweigung auf den Kuhberg. Die Baustelle vor dem Finanzamt war mit 70 Metern deutlich kürzer und weniger aufwendig.

Am Mittwoch war auf dem 270 Meter langen Baufeld vor dem Theater noch viel zu tun: Das Gerippe der Gleise liegt auf der Betonplatte, ist auch verschraubt – aber ragt 20 Zentimeter in die Höhe. Vier Tage sind also Zeit, um den Unterbau aufzufüllen, damit die Schienenoberkante auf Straßenniveau ist. Zunächst richten die Gleisbauer den Gleiskörper waagrecht aus. „Sonst ruckelt es später beim Fahren“, erklärt Jörg Zeeb von der SWU-Verkehr und stellvertretender Leiter des Bauprojekts.

Liegen die Schienen plan, werden sie untergossen mit einer Bitumenschicht, zur Stromisolierung. Darauf kommen eine Zwischenschicht aus Beton und dann zwei Schichten Asphalt. Letzteres ist für Samstag und Sonntag geplant. Dann sollten die 20 Zentimeter aufgefüllt sein.

Dass es auf der Zielgerade des Bauabschnitts so „sportlich“ wird, hat mehrere Gründe, erläutert Johann Karmann: „Es war aufwändiger.“ Die neuen Gleise wurden verschränkt: Sie liegen drei Meter weiter Richtung Theater, um Platz zu schaffen für die künftige neue Haltestelle.

„Man macht einen Plan, aber das Problem ist: Man kann nicht in den Untergrund hineinschauen.“ Deshalb tauchen unliebsame Überraschungen auf: Betonfundamente und alte Leitungen, von denen niemand wusste. Das führte zu Verzögerungen. „Immerhin gab es keine Juchtenkäfer“, versucht Jörg Zeeb die Sache mit Humor zu nehmen.

So sind zwar ab Montag die Gleise in der Olgastraße wieder nutzbar. Aber die Neutorstraße einschließlich der Kreuzung zur Karlstraße wird nicht, wie eigentlich geplant, bis Ende September fertig. „Es wird wohl Ende November, bis wir die Arbeiten an Gleisen, Fahrbahnen und Gehwegen erledigt haben“, kündigt Karmann an. „Bis zum Weihnachtsgeschäft am ersten Adventswochenende müssen wir fertig sein. Das ist gesetzt.“

Inbetriebnahme Dezember 2018

130 Leute arbeiten auf dem 6,5 Kilometer langen Abschnitt auf den Eselsberg, 65 Arbeiter sind es auf dem 2,5 Kilometern zum Kuhberg. Im Dezember 2018 soll die Linie 2 in Betrieb gehen.

Der nächste Schritt ist der Anschluss der neuen Straßenbahnbrücke über die Bahngleise am Kienlesberg. Im Bereich des Eselsbergs ist laut Karmann das Baufeld schon zu 80 Prozent vorbereitet. Die Vorarbeiten, fügt Jörg Zeeb an, „kosten unendlich viel Zeit und man sieht nichts“. Dazu gehört im Untergrund das Verlegen der Versorgungsleitungen: Fernwärme, Wasser- und Abwasserkanäle, Leitungen für Gas, Strom, Telekommunikation und anderes. Ist das erledigt, geht das Verlegen der Schienen vergleichsweise schnell. „Bis Jahresende werden 70 Prozent der Gleise Richtung Science Park liegen“, schätzt Johann Karmann.

Zeeb erklärt, dass es zwei Arten von Schienen gibt: Die Rillengleise, die in Asphalt eingebaut werden und deren Oberkante auf Straßenniveau liegt, um sie problemlos zu queren. „Die haben wir in der Innenstadt.“ Zweitens die Vignolgleise, die auf Betonschwellen im Schotterbett liegen, „die klassischen Eisenbahnschienen“. Das Schotterbett wird später mit Rasen begrünt.

Aber das ist für Zeeb und Karmann momentan noch ferne Zukunft. Zunächst sind die beiden jetzt froh, wenn der Schlussspurt in der Olgastraße am Sonntagabend geschafft ist, damit am Montag die Straßenbahn fährt.

Zwölf neue Avenios sind schon bestellt

Combino-Nachfolger Bisher haben die SWU Verkehr 10 Combino-Straßenbahnwagen. Für die Linie 2 hat die Stadt bei Siemens 12 neue Züge des Nachfolge-Modells Avenio bestellt. Sie werden ab November geliefert und kosten 32,7 Millionen Euro. Die Gesamtkosten der Linie 2 betragen knapp 250 Millionen Euro.