Verkehr Einsturzgefahr: Beringerbrücke für Lkw gesperrt

Behringerbrücke wegen Einsturzgefahr für Lkw gesperrt.
Behringerbrücke wegen Einsturzgefahr für Lkw gesperrt. © Foto: Oliver Schulz
Ulm / CHRISTOPH MAYER 20.04.2016
Seit Jahren dürfen Laster nicht mehr über die marode Beringerbrücke fahren. Kaum einer hielt sich dran. Jetzt greift die Stadt durch: mit einer Höhensperre.

Sie ist eine beliebte Nord-Süd-Verbindung im Ulmer Westen: Die im Zweiten Weltkrieg zerstörte und 1960 wiederaufgebaute Beringerbrücke führt von der Blaubeurer Straße über die Bahnanlagen zum Bleicher Hag. Das Bauwerk ist in die Jahre gekommen und sanierungsbedürftig. 2015 empfahl ein städtischer Brückenzustandsbericht wegen Durchrostung einen Neubau (wir berichteten). Um die Brücke nicht über Gebühr zu belasten, werden rollende Schwergewichte bereits seit einigen Jahren durch eine entsprechende Beschilderung verbannt. Zunächst galt ein zulässiges Höchstgewicht von 7,5 Tonnen, das sukzessive reduziert wurde: auf erst 3,5 und zuletzt 2,8 Tonnen.

Genutzt hat das allerdings wenig. „Viele Verkehrsteilnehmer haben sich trotz massiver Beschilderung nicht daran gehalten“, sagt Ute Metzler, Leiterin der Abteilung Verkehrsplanung. Etwa 2000 Fahrzeuge nutzen die Brücke täglich, so haben es kommunale Verkehrszähler jüngst ermittelt. „Darunter waren gut 100 Lastwagen, die zum Teil deutlich mehr als 2,8 Tonnen wogen“, sagt Metzler. Deshalb greife die Stadt nun durch. „Das ist unser letztes Mittel.“

Seit Mittwoch sind an beiden Zufahrten zur Brücke rot-weiß markierte Höhenbegrenzungen angebracht. Fahrzeuge, die höher als 2,20 Meter sind, würden daran hängenbleiben – also nicht nur Lastwagen, sondern auch Feuerwehrfahrzeuge oder Rettungswagen. Für die sei die Brücke allerdings ebenfalls schon länger tabu gewesen, sagt Metzler. Lediglich im nächsten Sommer, wenn die Kienlesbergstraße infolge des Straßenbahnneubaus eine Zeitlang voll gesperrt wird, dürfen Rettungswagen die Beringerbrücke passieren. „Dafür werden wir die Höhensperre dann wieder etwas höher hängen.“

Bleibt die Frage, warum die Stadt seit Jahren auf beiden Seiten der Brücke das Parken zulässt. Denn ein Dutzend abgestellter Autos bringt es auch locker auf 20 Tonnen Gewicht – was bei einem einsturzgefährdeten Bauwerk nicht gerade beruhigend wirkt. Ruhender Verkehr sei für die Brücke kein Problem, sagt Metzler. „Gefährlich ist allein die dynamische Belastung.“ Zudem würden die parkenden Autos dafür sorgen, dass auf der dadurch de facto nur einspurigen Brücke langsam gefahren werde.

Ob und wann die Beringerbrücke abgerissen und durch einen Neubau ersetzt wird, ist noch nicht entschieden. Am 10. Mai wird sich der Bauausschuss des Ulmer Gemeinderats mit dem Thema befassen.

Gemeinschaftsprojekt von Stadt und Bundesbahn

Beringerbrücke Rund 880.000 D-Mark hatte der Bau der im Juli 1960 fertiggestellten Beringerbrücke gekostet. Die Stadt trug mit 660.000 Mark den Löwenanteil, das restliche Geld kam von der Deutschen Bundesbahn, über deren Rangierbahnhof das 290 Meter lange Bauwerk aus Stahl führt. „Tausende warten auf die Brücke“, schrieb die Schwäbische Donauzeitung 1959. Denn der Eselsberg sei zu einer Vorstadt mit 13.000 Einwohnern angewachsen. „Wir fühlen uns mit allen West-Ulmern in dem Wunsche einig, es mögen alsbald Wege gefunden werden, um die Wiederherstellungsarbeiten zu beschleunigen.“

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