Ulm Einstein-Teilnehmerin Gisela Schäfer: Power ohne Geklacker beim Nordic Walking

Gisela Schäfer
Gisela Schäfer © Foto: Henri Gallbronner
Ulm / Henri Gallbronner 12.09.2017
Ein bisschen gehen sie am Einstein-Wochenende unter. Die Nordic Walker, die genauso wie die Läufer einen Halbmarathon zurücklegen. Das stört die 73-jährige Gisela Schäfer.

Bunte Sportkleidung, rot gefärbte Haare und immer ein Lächeln auf den Lippen - Gisela Schäfer passt so gar nicht ins Klischee einer 73-Jährigen, die im Betreuten Wohnen lebt. Da wundert es denn auch nicht, dass sie zu den ältesten Teilnehmern gehört, die am Sonntag den Halbmarathon der Nordic Walker in Angriff nehmen. Der älteste Starter, Helmut Binder vom TV Wiblingen, ist Jahrgang 1935.

Als Kind war Gisela Schäfer nie in einem Sportverein. Trotzdem habe sie den den Ausdauersport fast schon in die Wiege gelegt bekommen. „Das habe ich als Schülerin lernen müssen“, sagt die gebürtige Ulmerin, die heute in Senden lebt. Da das Geld für eine Fahrkarte fehlte, musste sie die rund drei Kilometer vom Hetzenbäumle ans Hildegard-Schulzentrum in der Zinglerstraße immer laufen. Das hat sich gehalten, auch heutzutage erledige sie fast alles zu Fuß, erzählt Gisela Schäfer: „Ich benutze das Auto so wenig wie möglich.“

Früher hat sie den Halbmarathon über die klassischen 21,195 Kilometer als Läuferin bestritten – immerhin in einer Zeit unter zwei Stunden. Auch das Walken ohne Stöcke wurde später zu ihrer Leidenschaft. „Nordic Walking habe ich aber erst vor zwei Jahren angefangen“, erzählt Gisela Schäfer. Gegen die Stöcke habe sie sich nämlich lange gewehrt: „Die Armhaltung ist da ganz anders.“ Vor diesem Bewegungsablauf scheute sie lange zurück, bis ihr eine Therapeutin das Nordic Walking spielend leicht nahe gebracht habe. „An diesem Tag bin ich genauso schnell gelaufen wie ohne Stöcke“, erinnert sich Gisela Schäfer stolz. Trotzdem habe sie es am Anfang ein paarmal „nagwäscha“, wie sie es ausdrückt.

Inzwischen kann sie schon ordentlich fachsimpeln – sie schwört auf das Klick-System ihrer Stöcke. Außerdem laufe sie nur mit „Gummipfropfen“, da sie das Geklapper der Stöcke störe. Dadurch sei sie beim Training an der Iller allerdings circa eine Viertelstunde langsamer, was am Kies auf den Feldwegen liege.

Der Sport ist für die Vorsitzende des Sendener Kneipp-Vereins und frühere Stadträtin Ausgleich zum Alltag: „Das hab ich früher gern am Tag nach der Sitzung gemacht.“ Auch vor vier Wochen, als sie von einer zwölftägigen Busreise ans Nordkap zurückkam, gab es für sie nur eins: „Nichts wie raus!“ Bald geht es übrigens wieder auf Reisen, diesmal zu einer Flusskreuzfahrt nach Russland. „Wenn nicht jetzt, wann dann“, meint Schäfer: „Man weiß ja nicht, was morgen ist.“ Das gilt so ziemlich für alles in ihrem Leben.

Dass es für die Nordic-Walker inzwischen auch einen Halbmarathon gibt, freut Gisela Schäfer besonders, denn die inzwischen nur noch ohne Stöcke gewalkte Distanz hat es ihr überhaupt nicht angetan: „Das sind ja Heerscharen, die sich da die Hirschstraße hinaufwälzen“, sagt sie: „Ich weiß ja, dass ich auch das Doppelte laufen kann.“ Etwas mehr Teilnehmer würde sie sich jedoch auch für den Halbmarathon wünschen: „In Senden finde ich niemanden, der das mit mir machen will.“

Schäfers Trainingsprogramm ist anspruchsvoll: Zwar nicht sehr oft – „eher zweimal im Monat, als einmal die Woche“ – greift sie zu den Stöcken, doch dann legt sie beachtliche Strecken zurück. Von Senden bis nach Wiblingen zum Beispiel. Dort geht es dann rüber über die Illerbrücke – zur gemütlichen Einkehr beim Albverein. Auch ein beachtliches Tempo legt sie an den Tag. Der „junge Mann“, der sie anfangs öfter begleitet habe, konnte da nicht mithalten.

Die 21 Kilometer beim Einstein-Marathon hat Gisela Schäfer im vergangenen Jahr in drei Stunden und fünf Minuten zurückgelegt. Zunächst habe sie sich für diesen Sonntag zwar vorgenommen, „die fünf Minuten“ noch weg zu bekommen, doch inzwischen sei sie der Ansicht, dass vor allem das Dabeisein zählt. Auch die Zuschauer steckt die lebensfrohe Rentnerin an: „Mensch, die lacht sogar!“, bekäme sie öfters zu hören, wenn sie am Publikum vorbeilaufe.