Museum Einstein-Museum soll in der Wilhelmsburg entstehen

Der CDU-Stadtrat Hans-Walter Roth vor dem Kehlturm an der Wilhelmsburg.
Der CDU-Stadtrat Hans-Walter Roth vor dem Kehlturm an der Wilhelmsburg. © Foto: Lars Schwerdtfeger
Ulm / Harald John 20.06.2017
Neuer Vorstoß für ein Albert-Einstein-Museum: Nach Stadtrat Hans-Walter Roth soll in der Wilhelmsburg eine Sammlung zum Werk des gebürtigen Ulmers entstehen.

Was von Einstein übrig blieb – ist manchem Ulmer Stadtpolitiker zuwenig. Nachdem die Grundmauern des Einsteinschen Geburtshauses auf der Großbaustelle Sedelhöfe gründlich abgeräumt worden sind und die roten Backsteine in 48 Kisten auf einem Bauhof lagern, ist es ruhig um das Erbe des genialen Physikers geworden, der in Ulm geboren wurde und hier die ersten 15 Monate seines Lebens verbrachte, bevor die Familie weiter nach München zog.

Zu ruhig, findet CDU-Stadtrat Hans-Walter Roth. Deshalb haben der 73-Jährige und seine Fraktion einen Antrag gestellt mit dem Ziel zu prüfen, ob die Wilhelmsburg künftig ein Einstein-Museum beherbergen könnte. „Wir müssen endlich Nägel mit Köpfen machen“, fordert Roth mit Blick auf die verstrichene Zeit. Seit nunmehr sechs Jahren würde er Vorschläge unterbreiten, wie das Einsteinsche Erbe zu würdigen sei. Aktuell würden immer mehr Stimmen laut, die ein Museum für Albert Einstein forderten. Diese Vorschläge seien ernst zu nehmen, „schließlich stehen hinter einem solchen Projekt nicht nur engagierte Bürger unserer Stadt, sondern auch Wissenschaftler und Historiker von internationalem Ruf“.

Roth spielt damit an auf den Verein der Freunde eines Albert-Einstein-Museums. Ihr Vize, der Quantenphysiker Joachim Ankerhold, hatte erst unlängst Ulm als einen Dreiklang aus Eiszeitkunst, Münster und Einstein bezeichnet. Doch die Vision der akademischen Einstein-Freunde, ein Museum in Bahnhofsnähe zu realisieren, scheitert an den Millionenkosten für ein derart ambitioniertes Projekt.

570 Räume

Die CDU-Fraktion bringt deshalb die Wilhelmsburg ins Spiel. Am „Tag der Festung“, an dem er in dem Bollwerk mit 570 Räumen unterwegs war, sei ihm die Idee wieder gekommen, so Roth. „Wir suchen einen Ort für Einstein, und wir haben die Wilhelmsburg.“ Die Burg als „Kulturzentrum, als Friedensfestung, als Museumsinsel“ runde die Vergangenheit Ulms „würdevoll und majestätisch“ ab, besonders der Kehlturm sei als Präsentationsfläche ideal.

Aber Visionäres wie die Relativitätstheorie in einer alten Festung? Die Theorie von der Lichtgeschwindigkeit hinter dunklen Mauern? Auch darauf hat Roth, ohnehin nie um eine Antwort verlegen, eine Erklärung. Die Burg sei zu Zeiten des Baby-Einsteins erst knapp 30 Jahre jung gewesen, die Gegend auf dem Michelsberg ein beliebter Ausflugsort: „Gut möglich, dass Einstein schon im Kinderwagen am Kehlturm vorbeigerollt ist.“ Das klingt spaßig, aber Roth ist es ernst. Er spricht von vielen Interessierten, die die ältere Idee eines Technikmuseums auf der Wilhelmsburg mit der Idee einer Einstein-Schau verbinden möchten. Aber nicht nur aus der freien Wirtschaft, die die „langjährige Ulmer Industriegeschichte“ dokumentieren wolle, müsse Geld fließen, auch von Land und Bund. „Einstein war Ulmer, er war aber auch Württemberger und Deutscher.“

Älteste Fotografie ersteigert

Roth, selbst ein leidenschaftlicher Sammler, will Exponate aus eigenem Besitz zustiften. So nennt er etwa die Originalabdrücke der allgemeinen und speziellen Relativitätstheorie sein Eigen. Auch das wohl älteste Foto der Wilhelmsburg hat der Mann, der seit 30 Jahren Stadtrat in Ulm ist, ersteigert.

Und auch besondere Steine aus dem Fundament des Einsteinschen Geburtshauses will Roth wieder rausrücken. Bei einer Besichtigung der Sedelhöfe habe er sie „sichergestellt“, nun lagerten sie in einem Safe der Sparkasse und sollen Grundstein für ein Ulmer Einstein-Museum sein. Die Stadt will sich zu solcherlei Plänen derzeit nicht äußern. Aber das kann einen Hans-Walter Roth nicht stören: „Wir müssen jetzt einfach mal anfangen.“

Eine Festung, die nie angegriffen wurde

Zentral auf der Kuppe des Michelsberges erhebt sich die Wilhelmsburg  als zentraler Punkt des Ulmer Festungsgürtels. 1842-49 als Teil der Bundesfestung erbaut, wurde die Wilhelmsburg niemals angegriffen.

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