Ulm Einstein gehört in die Stadt

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Ulm / ruk 24.06.2017

Die Lösung ist die Wilhelmsburg. Gebetsmühlenartig bringt Hans-Walter Roth den Festungsbau ins Spiel, wenn es darum geht, Räumlichkeiten für Museen zu finden. Magirus? Ab in die Burg! AEG-Telefunken? Keine Frage, die Burg! Dann gäbe es noch diverse andere Sammlungen: von Bügeleisen bis Notgeld und 3000 Exponate aus 4 Jahrtausenden zum Thema „Auge und Sehen“ eines stadtbekannten Ulmer Augenarztes und CDU-Stadtrats. Ja, auch für Roths eigenes Museum ist die Zitadelle die Lösung.

In der Tat, die Wilhelmsburg hat enorme Ausmaße. 570 Räume zählt der zentrale Festungsbau auf dem Michelsberg. Man sollte meinen, da böte sich auch noch, wie von Roth jüngst vorgeschlagen, Platz für ein Einstein-Museum. Aber: Wird ein Museum an diesem Ort dem bekanntesten Ulmer gerecht? Dem Nobelpreisträger, dessen Erkenntnisse die Welt verändert haben? Dem Pazifisten, der in gesellschaftspolitischen Fragen Stellung bezogen hat?

Mehr als 60 Jahre sind seit dem Tod Einsteins verstrichen, mehr als sechs Dekaden, in denen die Stadt sich wenig um das Gedenken an den ersten Popstar der Naturwissenschaften geschert hat. Vornehm-zurückhaltend wurde immer auf dessen 15-monatige Zeit in der Bahnhofstraße verwiesen: Einstein, der relative Ulmer. Eine euphemistische Umschreibung dafür, dass die Stadt  gepennt hat.

Jetzt, da Mauerreste seines Geburtshauses aufgetaucht sind und Teile des Gemeinderats ob der alten Steine hyperventilieren, jetzt, da die „Arbeitsgruppe Einstein“ sich um einen zeitgemäßen Umgang mit dem 1879 geborenen Physiker bemüht, hat die  Stadt wenigstens einen weiteren Fehler vermieden und darauf verzichtet, Einstein hinter Festungsmauern zu verbannen. Gegen die Wilhelmsburg sprechen nicht nur verkehrstechnische Gründe. Einstein ist eine Marke, eine der wenigen, die die Stadt hat. Deshalb gehört Einstein mitten in die Stadt, an den Ort, der mit seiner Familie verbunden ist: in den Engländer. Vielleicht gehört er auch an mehrere Orte, Raum und Zeit waren für ihn kein Problem.

Apropos Zeit: 2029 ist das nächste Einstein-Jubiläum, die Stadt hat also Zeit. Nein, hat sie nicht! Zu wünschen ist, dass die Privatinitiative Verein der Freunde eines Albert-Einstein-Museums Auftrieb erhält. Viel Auftrieb von Seiten der Bürgerschaft – im Sinne von: Macht Albert E. zu einem Bürgerprojekt.

Er würde sich freuen.

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