Berufswelt Einser-Abitur reicht nicht aus

Ulm / Patrizia Czajor 04.12.2018

Wenn Sie ein Tiefkühlgericht wären, dann welches? Mit dieser Frage sah sich Stephanie Vierbacher in einem ihrer Vorstellungsgespräche konfrontiert. Was die Mitarbeiterin eines Ulmer E-Commerce-Unternehmens darauf geantwortet hat, weiß sie hingegen nicht mehr. Doch das sei bei derartigen Stressfragen auch gar nicht wichtig. „Nicht die Antwort, sondern wie ihr mit der Frage umgeht, ist entscheidend“, erläuterte Vierbacher. Also: Einen Schluck Wasser trinken, durchatmen und erst dann antworten.

Diese und weitere Tipps zum Bewerbungsprozess, aber auch zu Ausbildungsberufen und Studiengängen bekamen Schüler während eines Projektnachmittags am Kepler-Gymnasium an die Hand. Organisiert worden war die Veranstaltung von einem so genannten Fachkräftebündnis, dem die Industrie- und Handelskammer, die Handwerkskammer, die Agentur für Arbeit sowie die Bezirksgruppe Ulm von Südwestmetall angehören.

Im Mittelpunkt stand auch das Thema Softskills. „Es reicht nicht nur ein Einser-Zeugnis“, machte Nicolette Reepschläger von der Arbeitsagentur deutlich. Arbeitgeber legten mittlerweile großen Wert darauf, dass ein Bewerber auch als Typ zum Unternehmen passt, wie Reepschläger erläuterte. Deswegen motivierte sie die Jugendlichen dazu, sich genau zu überlegen, welche sozialen Kompetenzen sie in ihren Anschreiben hervorheben möchten.

Fest im Stundenplan

Seit diesem Schuljahr ist das Wissen um Bewerbungen und Berufe für die Achtklässler des Kepler-Gymnasiums auch fest im Stundenplan verankert. Das ist laut Judith Walter, Lehrerin am Gymnasium, jedoch erst der Anfang. Denn das Fach „WBS“, also Wirtschaft/Berufs- und Studienorientierung, soll schrittweise auch für die älteren Schüler zum Pflichtfach werden. Bislang gibt es ab der zehnten Klasse lediglich vereinzelt Module und Veranstaltungen, in denen die Gymnasiasten auf das Leben nach der Schule vorbereitet werden.

Welche Möglichkeiten ihnen insgesamt offen stehen und worauf sie bei der Berufswahl achten sollen, wurde ihnen nun während des Projekttags schon mal gebündelt vermittelt. Lust auf das Handwerk hat etwa Felix Oppold, der derzeit beim Gebäudetechnik-Unternehmen Gaiser ein duales Studium absolviert. Als Ausbildungsbotschafter erläuterte er den Zehntklässlern nicht nur den Ablauf seiner Ausbildung und weiterführende Karrierewege, sondern teilte auch seine persönliche Erfahrung. Nicht das Gehalt ist am wichtigsten, betonte der 19-jährige Auszubildende, sondern, dass man sich für die Arbeit motivieren kann.

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