Leitartikel Christine Liebhardt über die Leichtigkeit des Sommers Einfach mal treiben lassen

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Autorenfoto © Foto: Könneke Volkmar
Ulm / Christine Liebhardt 01.09.2018

Jetzt ist er vorbei, der August, der Sonntag des Sommers. Beidseits der Donau haben es sich die, die daheim geblieben sind, in diesem Monat nochmal gut gehen lassen – wie man das sonntags eben so macht. Nur, dass in diesem Sommer gefühlt jeder Tag Wochenende war. Spätestens nachmittags war auf der Donau entspannter Hochbetrieb: Ulmer wie Neu-Ulmer ließen sich in Schlauchbooten gemütlich den Fluss hinuntertreiben, dazu gesellten sich ganze Heerscharen von Stand-Up-Paddlern.

Nicht, dass das eine brandneue Entwicklung wäre. Das geht schon seit ein paar Jahren so, erreichte heuer aber einen Höhepunkt. Neu hingegen ist: Die Menschen lasten nicht nur Badeseen und Freibäder voll aus, sondern schwimmen jetzt auch immer öfter in der Donau, Hitze und Niedrigwasser sei Dank. Eine Tatsache, an die sich vor allem die Ruderer erst gewöhnen mussten.

Lust an der Leichtigkeit

Gemeckert wurde deshalb aber nicht groß, zumindest nicht vernehmbar. Selbst vom lärmkritischen Verein „Leben in der Stadt“ ward nichts mehr gehört. Auch das ist neu. Fast scheint es so, als hätten die vom Gemüt her eher nüchternen Ulmerinnen und Ulmer dank des schier endlosen Sommers 2018 die Lust an der Leichtigkeit entdeckt. Es war ja auch nicht schwer: Fünf Monate lang schien so gut wie jeden Tag die Sonne. So bekamen selbst die Einwohner der Nebelhauptstadt eine Ahnung davon, weshalb in vielen Ländern des Südens das Leben meist ein entspannteres ist.

Ulm, Neu-Ulm und die ganze Region hatten allerdings das Privileg, diesen Sommer halbwegs unbeschwert genießen zu können – zumindest, so lange man  die Bedrohlichkeit des Klimawandels ausklammerte. Die Hitze war lange nicht so ausgeprägt wie fast überall sonst in Deutschland, und während es auch hier zu trocken war, regnete es doch gerade noch genug, auch für die Landwirtschaft. Anderswo gab es vier Monate lang keinen einzigen Tropfen.

Es ist September, meteorologisch ist Herbst. Die Temperaturen passen. Der lange Sonntag ist endgültig vorbei, und bestimmt murren bald alle wieder vor sich hin: wegen der Bauarbeiten, des Verkehrs, der Politik, des unvermeidlichen Nebels. Vielleicht hilft es, dann an diesen großen Sommer zurückdenken: an kalte Kirschen, an summende Bienen, an Füße im Wasser. Und daran, wie leicht das Leben manchmal sein kann.

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