Pflege Eine Schule wird hundert

Katrin Stahl 04.12.2018

Hundert Jahre sind eine lange Zeitspanne. Da werden Entdeckungen gemacht, Erfindungen entwickelt, Reformen auf den Weg gebracht. Hundert, „das ist auch eine Zahl, die die Menschen schon immer fasziniert hat.“ Mit diesen Worten eröffnete Prof. Karl-Heinz Tomaschko, Direktor der Akademie für Gesundheitsberufe, den Festakt im Kloster Wiblingen. Anlass: das hundertjährige Bestehen der Pflegeschule Ulm.

Voll besetzt war der Kapitelsaal in der ehemaligen Benediktinerabtei. So viele Gäste waren gekommen, dass die Veranstaltung per Video in zwei weitere Säle übertragen wurde. Auf dem Programm standen Ansprachen von Vertretern aus Management, Lehre und Politik, die Einblick in die lange Geschichte der Ulmer Ausbildungsstätte gewährten, aber auch einen Ausblick in die Zukunft wagten. Deutlich wurde: In der Akademie hat man noch viel vor.

Eröffnet wurde die Krankenpflegeschule am 1. Oktober 1918, wenige Wochen vor dem Ende des Ersten Weltkrieges, als Einrichtung der Stadt Ulm. Zehn Ausbildungsplätze, nur für Mädchen, gab es damals. 1982 erfolgte die Eingliederung in die Akademie für Gesundheitsberufe. Die Schule – zu diesem Zeitpunkt mit 126 Schülern – gehörte seitdem zum Universitätsklinikum.

Heute lernen und studieren rund 1000 junge Frauen und Männer am Wiblinger Gesundheitscampus. Ob  Krankenpflege, Operationstechnische Assistenz oder Logopädie: Die Vielfalt der angestrebten Berufe ist groß. Besonderen Wert legen die Lehrkräfte auf die Verknüpfung von Theorie und umfassenden Praxisphasen, denn man weiß: Der Beruf der Pflegekraft hat Zukunft – und wird immer wichtiger. „Ohne Pflege ist eine nachhaltige gesundheitliche Versorgung nicht möglich“, sagte der Vorstandsvorsitzende des Uniklinikums Ulm, Prof. Udo Kaisers.

Über die Herausforderungen, denen sich die Schule für Pflege in Zukunft stellen muss, sprach Fachleiterin Lara Hinz. Sie berichtete über das neue Pflegeberufegesetz, das im Januar 2020 in Kraft treten und durch das die Ausbildung zur Pflegefachkraft modernisiert und aufgewertet werden soll.

Für die Nachwuchskräfte bedeute das neue Gesetz mehr Verantwortung und selbstständiges Handeln, auch die Anforderungen an die Praxisanleiter steigen. Viele Details müssten im Rahmen der Reform noch geregelt werden, doch Hinz zeigt sich optimistisch: „Das Weiterdenken und Weiterentwickeln zeichnet unsere Schule aus.“

So hat die Akademieleitung den Wunsch, sich räumlich zu erweitern – im Südflügel des Klosters, wo bis zum vergangenen Jahr noch das städtische Altenheim beheimatet war. Sozialbürgermeisterin Iris Mann macht Hoffnung: „Die Chancen stehen nicht schlecht.“

Was auch nicht schlecht ist: das Ansehen, das Kranken- und Altenpfleger in Deutschland genießen. Eine Befragung, so Tomaschko, habe ergeben, dass der Beruf auf Platz zwei, direkt hinter dem des Feuerwehrmannes, liege. Eine Motivation für die Schule, die auch die kommenden Herausforderungen meistern werde, „so wie sie das die vergangenen hundert Jahre getan hat“.

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Berufe werden am Gesundheitscampus ausgebildet. In Kooperation mit der DHBW Heidenheim bietet die Akademie zusätzlich sieben Duale Studiengänge an.

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