Ulm Eine Reise um die Welt in 36 Drehtagen

Hat seinen Traum verwirklicht: Filmemacher Serdar Dogan.
Hat seinen Traum verwirklicht: Filmemacher Serdar Dogan. © Foto: Oliver Schulz
Ulm / CHRISTOPH A. SCHMIDBERGER 12.05.2015
Wie dreht man einen Spielfilm mit einem Etat von 75.000 Euro auf sieben Kontinenten? Der Filmemacher Serdar Dogan erklärte das im Obscura.

Eine Reise um die Erde in 36 Drehtagen - auf der Jagd nach dem achten Kontinent: Was wie eine Geschichte von Jules Verne anmutet, ist ein berührender Film und zugleich ein wahr gewordenes Kinomärchen. Ohne staatliche Filmförderung realisierte der Karlsruher Filmemacher Serdar Dogan "Der 8. Kontinent", einen Film, der auf sieben Kontinenten gedreht wurde und sogar mit prominenter Besetzung auftrumpfen kann - nur gefördert durch sogenanntes Crowdfunding. Am Samstag präsentierte der 35-jährige Drehbuchautor, Regisseur und Produzent mit türkischen Wurzeln seinen Film im Obscura.

Der junge Werbefilmer Serdar Dogan aus Durlach erzielte 2011 mit der No-Budget-Produktion "Kopfkino" bereits einen Achtungserfolg. Zwei Jahre später entstand auf einer Reise nach New York die Idee zu einem wahnwitzigen neuen Projekt: Die Studentin Lena entwendet Geld aus einem Studienprojekt und reist damit einmal um die ganze Welt, um einen Wunsch ihrer verstorbenen Mutter zu erfüllen, mit der sie Jahre zuvor im Unfrieden auseinandergegangen war.

Nur wie produziert man das ohne Geld? Dogan bemühte die Filmförderung, was ihm nur Absagen einbrachte: "Zu teuer" hieß es dort. Dogan gab nicht auf und versuchte es mit Crowdfunding, eine Art Spendensammeln im Internet. Letzten Endes kamen so 75.000 Euro zusammen.

Das Projekt war gerettet. Jetzt kam der eigentliche Kraftakt. Um die Kosten so gering wie möglich zu halten, reiste eine nur dreiköpfige Filmcrew zu den Drehorten rund um die Welt: Dogan als Regisseur und Kameramann, Hauptdarstellerin Maike Johanna Reuter (26) und eine Assistentin. Vor Ort drehte man innerhalb eines mehr als knapp bemessenen Zeitplans mit einheimischen Darstellern, schlief hauptsächlich in privaten Unterkünften, manchmal sogar auf dem Boden. "Einmal war ich so fertig, dass ich fast einen Autounfall baute", gesteht der junge Regisseur.

Zum Ensemble des Films gehören aber auch bekannte Darsteller wie Cosma Shiva Hagen, Viktoria Brams oder Thomas Scharff. "Cosma war dermaßen von der emotionalen Geschichte überzeugt, dass sie auf eine Gage verzichtete", erzählt Dogan. Wieder in Deutschland kam nach Abschluss der Postproduktion die nächste Hürde: Der Film brauchte einen Verleiher. Dazu muss man wissen, dass in Deutschland in der Regel Verleiher nur solche Filme in ihr Programm aufnehmen, die in der Produktionsphase eine Filmförderung erhalten haben. Ein Teufelskreis. Einer jedoch glaubte an Dogan: Wolfgang Schmidt-Dahlberg, ein Urgestein des deutschen Kinoverleihs, der in den 80er Jahren bereits Blockbuster wie "Der Terminator" in die Kinos gebracht hatte. Mittlerweile ist "Der 8. Kontinent" bundesweit in ausgesuchten Kinos zu sehen und stößt auf ungeahnte Medienresonanz.

Dogan will mit seinem Film trotz des tragischen Themas Hoffnung machen. "Das Leben ist zu kurz, um im Streit auseinanderzugehen." Der achte Kontinent steht als ein Symbol für das Unerreichbare, aber "der Mensch sollte groß träumen und seine Visionen verwirklichen, auch wenn es nicht immer leicht ist". Serdar Dogan hat das getan.

Info "Der 8. Kontinent" läuft heute, Dienstag, und morgen, jeweils 18 Uhr, am Donnerstag, 17.45 Uhr, und am 18. Mai, 18 Uhr, im Obscura.

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