Schicksal Eine Familie kämpft um die Existenz

 Depressed man in front of wooden wall  Foto:Stock4B Creative/Getty Images Download am 07. 12.  2018 für LOKA
Depressed man in front of wooden wall Foto:Stock4B Creative/Getty Images Download am 07. 12. 2018 für LOKA © Foto: Symbolfoto: Stock4B Creative/Getty Images
Barbara Hinzpeter 08.12.2018

Es kam wie der berühmte Blitz aus heiterem Himmel: Am 14. September erfuhr Michael S. (Name geändert), dass er an akuter lymphatischer Leukämie leidet. Zuvor war der 38-Jährige sechs Wochen lang wegen „Depressionen“ behandelt worden. Die tückische Krankheit machte sich mit ähnlichen Symptomen bemerkbar.

„Er war unglaublich schwermütig und niedergeschlagen“, sagt seine Mutter. Bald konnte er nicht mehr sehen und nicht mehr gehen, sodass er sich noch einmal an seinen Hausarzt wandte. Der schickte ihn auf schnellstem Weg in die Notaufnahme der Uniklinik.

Seither unterzieht sich der Vater von drei Kindern einer Chemotherapie – mit ungewissem Ausgang. Was ihn besonders bedrückt, sind die mit der Erkrankung verbundenen finanziellen Sorgen. Vor zwei Jahren hat Michael S. nach der Geburt des dritten Kindes den Job als Sozialarbeiter an den Nagel gehängt und sich mit einem Hausmeister-Service selbstständig gemacht. Der lief ganz gut, schließlich hatte er vor seinem Studium eine Lehre als Maurer absolviert.

Seine Ehefrau arbeitet als Schulsozialarbeiterin auf einer 70-Prozent-Stelle. Die beiden  hatten sich vor elf Jahren kennengelernt, als sie ihr Fachabitur auf dem zweiten Bildungsweg machten. Ulrike S. war alleinerziehende Mutter eines drei Monate alten Kindes. Während des Studiums wurde das erste gemeinsame Kind geboren.

„Das Geld war immer knapp“, sagt Ulrike S., der angst und bange wird, wenn sie an ihre Schulden – unter anderem durch Bafög und Studienkredite – denkt. Sie liebe ihre Arbeit, „aber sie bringt nichts ein“. Michael S. hat seinen Betrieb sofort aufgegeben, als er von der Krankheit erfuhr, da er nur Kosten verursache.

Weil sie ohne Trauschein keine Befugnisse habe, so Ulrike S., heirateten sie am 12. November in der Klinikkapelle. „Früher waren wir immer der Ansicht, Liebe braucht keinen Schein“, sagt die 36-Jährige. Sie reagierte mit einer heftigen Neurodermitis auf die Nachricht, dass ihr Mann an Leukämie erkrankt ist – einer Form, die bei Erwachsenen eher selten ist. Michael S. verkaufte sofort sein Auto. Sie aber benötigt ihr Fahrzeug, um zur Arbeit zu kommen – und zu Besuchen nach Ulm in die Uniklinik. „Erstmals habe sie selbst Winterreifen besorgen müssen. „Ich dachte, ich kaufe neue, dann bin ich sicher“, erzählt sie. „Doch eine Woche später hatte ich einen Plattfuß.“ Das mache sie so verzweifelt: „Ständig passiert etwas, sodass man nie Fuß fassen kann.“

Benzingeld und Parkgebühren reißen ein Loch ins Budget, das schwer zu stopfen ist. Denn für Miete und Nebenkosten sowie Kindergartengebühren und Lebensmittel werde jeder Cent gebraucht. Kleidung für die Kinder  habe sie seit jeher gerne aus zweiter Hand gekauft.

Sie ist froh, dass eine Familienhelferin sie im Haushalt unterstützt. Es koste ohnehin eine Menge Kraft, den Alltag zu bewältigen und den Kindern – sie sind zwölf, fünf und zwei Jahre alt – unbeschwerte Stunden zu ermöglichen. Zweieinhalb Jahre werde die Therapie dauern, wurde Michael S. gesagt. Während seiner Klinikaufenthalte schreibt er Tagebuch und Gedichte. Jetzt hofft er, dass er Weihnachten daheim bei seiner Familie verbringen kann, bevor im Februar die Behandlung fortgesetzt wird.

Direkte Hilfe für Michael S.

Gezielt Spenden Wer Michael S. und seiner Familie unter die Arme greifen will, vermerkt auf der Überweisung das Stichwort „Michael S.“.

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