Komödie Eine Dreiecksgeschichte

Sorgen für reichlich Klamauk: Jurek Milewski (hinten liegend), Wolfgang Kandler und Judith Brandstätter.
Sorgen für reichlich Klamauk: Jurek Milewski (hinten liegend), Wolfgang Kandler und Judith Brandstätter. © Foto: Martina Dach
Neu-Ulm / Nina Albus 07.01.2019

„Willkommen süßer Tod“, sagt Harry und schaut lebensmüde in die Tiefe unterhalb der Henry-Hudson-Bridge, hinter ihm die Skyline von New-York. Da kommt sein alter Schulfreund Milt vorbei. Er spricht Harry an und es entwickelt sich eine triviale Dreiecksgeschichte zwischen den beiden Männern und Milts Ehefrau Ellen.

Claudia Riese hat die amerikanische Komödie mit dem deutschen Titel „Liiiebe. Versuch’s doch mal mit meiner Frau!“ von Murray Schisgal aus dem Jahr 1963 als leichte Unterhaltung mit reichlich Slapstick fürs Theater Neu-Ulm inszeniert. Dabei holen die drei Schauspieler alles heraus, was das seichte, etwa eineinhalbstündige Bühnenstück zu bieten hat: wenig guten Wortwitz und Ironie, dafür jede Menge Dramatik, Pathos und viele schlüpfrige Szenen.

So massiert der morbide Harry, gespielt von Jurek Milewski, seinem alten Klassenkamerad betont lasziv den Hintern, während er vor ihm kniet. Judith Brandstätter als herrische Ellen spielt mit ihrem spitzen Zeigefinger obszön an Milts Ohr und Nase herum. Milt, überzeugend dargestellt von Wolfgang Kandler, fängt an hemmungslos daran zu saugen.

Eine überspitzte Szene jagt die nächste. Es gibt feurige Liebesschwüre, hinterlistige Racheakte, hysterische Verzweiflungstaten und wilde Knutscherei. Milt, Harry und Ellen flehen, schreien und lügen. Harry und Milt übertreiben maßlos bei der Schilderung ihrer schrecklichen Kindheiten und versuchen sich damit zu überbieten – eine der wenigen gelungenen ironischen Szenen im Stück. Schließlich versuchen alle drei mindestens einmal sich umzubringen.

Das Stück ist mal witzig, mal rutscht es in den Klamauk ab. Wirklich gut ist die Leistung der Schauspieler. Die Charaktere wechseln ständig ihre Gesichter. Während Wolfgang Kandler zunächst sehr glaubhaft den erfolgreichen und jovialen Amerikaner gibt, wird später klar, dass er sich von seiner Frau Ellen zuhause wie ein Schoßhund herumkommandieren lässt. Judith Brandstätter gibt eine pedantische Ehefrau im Stil einer strengen Chefsekretärin in engem Rock und Kleid, die jedoch im Innern einen weichen Kern hat.

Und Harry? Der steht nach seinem Ausflug in die Welt der Liebe am Ende des Stückes wieder auf der Hudson-Bridge und schaut sehnsüchtig in die Tiefe.

Info Nächste Vorstellungen im Theater Neu-Ulm (Hermann-Köhl-Straße 3) am Freitag und Samstag, am 25. und 26. Januar, jeweils 20 Uhr; am Sonntag 27. Januar, 18 Uhr. Karten: 0731-553412.

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