Ulm Einbruch mit Ansage: Polizei war gewarnt, doch Brillen wurden geklaut

HANS-ULI MAYER 28.02.2013
Die Eigentümer der Brillen-Galerie Bolay & Bolay verstehen die Welt nicht mehr. Obwohl sie der Polizei am Samstag Einbruchsspuren an ihrem Geschäft gezeigt haben, war dieses am Sonntag leergeräumt.

Großeinbrüche professioneller Banden in Geschäfte der Ulmer Innenstadt haben in den letzten Monaten stark zugenommen. Jener vom zurückliegenden Sonntag in das Brillengeschäft Bolay & Bolay in der Platzgasse hätte womöglich verhindert werden können. Eigentümer Axel Bolay, der das Geschäft mit seinem Bruder Götz führt, schüttelt nur den Kopf und findet kaum Worte dafür.

Die Mutter des Brüderpaares hatte am Samstagmittag bereits merkwürdige Spuren an einem Holzfenster in der Seitengasse des Geschäfts bemerkt. Direkt unter dem innen befindlichen Griff war ein Loch in den Holzrahmen gebohrt – etwa einen Zentimeter im Durchmesser und mit Klebestreifen abgedeckt. Die Eigentümer waren alarmiert und verständigten die Polizei. Die nahm den Vorfall auf und brachte an dem Fenster einen Hinweis an, dass das Loch der Polizei bekannt sei.

Abgeschreckt hat das die Einbrecher aber nicht. Noch in derselben Nacht stieg zwischen drei und vier Uhr ein maskierter Täter durch das Fenster und nahm sich eine ganze Stunde lang Zeit, um etwa 1200 Designbrillen in mitgebrachte Säcke zu verstauen, wie die Überwachungskamera festhielt. Der Warenwert liegt bei rund 300.000 Euro. „Wir haben uns natürlich auf die Polizei verlassen“, sagt Axel Bolay: „Ich dachte, wir hätten alles Nötige getan. Oder hätten wir uns vielleicht selber über Nacht in den Laden legen sollen?“

Die Polizei will sich zu dem Vorfall nicht äußern. Es lägen noch nicht alle Informationen vor, um den Fall zu beurteilen, sagt Sprecher Wolfgang Jürgens. Im Wesentlichen bestätigte er die Fakten, gab aber zu bedenken, dass es für die Polizei schwierig sei einzuschätzen, ob es sich um einen abgebrochenen Einbruchsversuch oder um eine vorbereitende Tat handele. Aus heutiger Sicht wisse man das, am Samstag aber sei es völlig unklar gewesen. Ob in der Nacht rund um das Geschäft vermehrt Streife gefahren wurde, kann er nicht sagen.

Für die Brüder Bolay ist der Schaden enorm. Zwar sind sie versichert, aber die Verhandlungen mit den Regulierern seien alles andere als angenehm gewesen. Noch am Sonntag haben sie ihre Lieferanten angerufen, die teilweise noch am selben Tag nach Ulm gekommen seien. „Wir haben dringend Ware gebraucht. Es war ja alles weg. Die Regale leer“, sagt Bolay.

Dennoch hat es bis Donnerstag gedauert, bis die ersten neuen Brillen eintrafen. Für Freitag dürfte das Sortiment bei 70 Prozent, am Samstag soll es wieder bei mehr als 80 Prozent liegen. Davor aber hat es vier Tage ohne jeden Umsatz gegeben: „Das tut richtig weh.“ Dafür habe man jetzt die Regale voll mit den aktuellsten Brillen der großen Designer, sagt Bolay.