Verkehr Ein Ulmer Spatz weniger

Auf dem Abstellgleis: Der Schienenbus Ulmer Spatz ist aus dem Verkehr genommen worden und steht im Ulmer Hauptbahnhof.
Auf dem Abstellgleis: Der Schienenbus Ulmer Spatz ist aus dem Verkehr genommen worden und steht im Ulmer Hauptbahnhof. © Foto: Lars Schwerdtfeger
Ulm / JAKOB RESCH 10.01.2015
Ulmer Spatzen sind weit verbreitet. Einige Ulmer Spatzen kicken unter diesem Spitznamen als Mannschaft des SSV 1846 Fußball. Viele Ulmer Spatzen singen im gleichnamigen Kinder- und Jugendchor.

Scharen von Ulmer Spatzen zwitschern in der Stadt umher. Und doch gibt es einen Ulmer Spatz weniger. Das ist der Schienenbus, der unter diesem Namen jahrelang auf die Alb zuckelte.

Noch stehen vier Wagen davon in der typisch weiß-grünen Bemalung mitten in der Gleislandschaft des Ulmer Hauptbahnhofs. Wie mit ihnen weiter verfahren wird, ist noch nicht entschieden, wie Jürgen Schnabl von der DB Zug-Bus Regionalverkehr Alb-Bodensee sagt, der die Wagen gehören. Klar ist nur, dass sie im vergangenen Jahr aus dem Verkehr gezogen worden sind.

Das heißt: "Ein Motorwagen ist in Weinrot umlackiert worden" und war als "Spätzle-Express" bereits im vergangenen Sommer weiter für die beliebten Freizeitfahrten von Ulm nach Münsingen im Einsatz, die von der "Schwäbischen Alb-Bahn" ansonsten jetzt mit moderneren Triebwagen abgewickelt werden.

Die Schienenbusfreunde Ulm, die den Ausflugsverkehr des Ulmer Spatz über Jahre ehrenamtlich bewerkstelligt haben, sind damit nicht mehr im Spiel. "Der Verein hat sich zurückziehen müssen", sagt Vorsitzender Oliver Pfister. Offenbar sprengten notwendige Ausbesserungen und anstehende Hauptuntersuchungen die Grenzen des finanziell Machbaren. Die Zusammenarbeit ging jedenfalls auseinander, der Zug geriet aufs Abstellgleis, zu seiner Übergabe kam es auch nicht. Für Spatzenverhältnisse ist darüber hinaus nicht allzuviel zu hören.

Gleichwohl existiert der Verein noch, teilt Pfister mit, obwohl den Schienenbusfreunden mit Wartung und Betrieb momentan der Vereinszweck abhanden gekommen ist. Dabei war es im Mai 1998 Oberbürgermeister Ivo Gönner persönlich, der den ersten frisch renovierten Schienenbus taufte und ihn als Ulmer Spatz auf den Weg schickte. Insgesamt waren es letztlich sieben Wagen, die der Verein betreute und damit auch eine kleine schwäbische Nostalgiewelle auslöste. Schließlich bestimmten die original weinroten Schienenbusse aus den 50ern und 60ern mit glänzender Aussicht lange das Bild der Bundesbahn.

Nun, einer bleibt ja dem Eisenbahnknoten Ulm. Wenn auch nicht als Spatz. Dafür wird ein anderer Ulmer Spatz in diesem Jahr zurückerwartet: Und das ist das gleichnamige Schiffle für die Personenschifffahrt auf der Donau.

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