Stadtgestaltung Neue Glacis-Bastion: Ein starkes Stück Stadt

Neu-Ulm / Edwin Ruschitzka 03.11.2017
An der Meininger Allee in Neu-Ulm hat Investor Wolfgang Eberhardt einen optisch ansprechenden Gebäudekomplex hochgezogen.

Als Highlight bezeichnet der Neu-Ulmer Stadtplaner Jörg Oberle die neue Glacis-Bastion zwischen der Meininger Allee und dem Theodor-von-Hildebrandt-Platz. „Die Kubatur passt, die Fassade ist ansprechend. Und das Gebäude ist in den kleinen Details gelungen. Alles, was man richtig machen kann, ist auch richtig gemacht worden.“ Dieses Urteil müsste dem Bauherren Wolfgang Eberhardt und dem Architekturbüro Braunger und Wörtz runtergehen wie Öl.

Dass Eberhardt im Juni 2015 das 2400 Quadratmeter große Filetgrundstück von der Stadt hat kaufen können, freut ihn im Nachhinein ganz besonders. Denn der Ulmer hatte in Neu-Ulm anfangs einen schweren Stand: Als über die dem Bahntrog nahe Bebauung an der Meininger Allee entschieden wurde, ging  Eberhardt leer aus. Den Zuschlag erhielten die Firmen Casa Nova, Realgrund, Munk und Inhofer. Die ersten drei stiegen 2009 aus, Inhofer übernahm alle vier Baufelder.  Die Blöcke stehen, sind bezogen.

15 Monate Bauzeit

Mit dem Bau der neuen Glacis-Bastion, wie das Gebäude getauft wurde, ist es rasend schnell gegangen. Baubeginn war schon Ende 2015. Zuerst musste das Gelände von allerhand Altlasten befreit werden. Eine Tiefgarage mit 150 Stellplätzen wurde in einer Wanne ins Grundwasser gestellt. Mit dem Hochbau wurde im April 2016 begonnen. Und in diesen Tagen werden nach nur 15-monatiger Bauzeit die ersten Mieter einziehen.

Die einzelnen Gebäudeteile sind zwischen drei und acht Geschosse hoch. Jeweils in den oberen drei Geschossen sind insgesamt 29 Wohnungen entstanden. Der Großteil der Flächen – insgesamt 8800 Quadratmeter – ist an Dienstleister und Gewerbetreibende vermietet. Schon Ende November wird das Radiologiezentrum, das noch im LEW-Gebäude am Heiner-Metzger-Platz residiert, in die Glacis-Bastion umziehen, dort 1300 Quadratmeter belegen. 1000 Quadratmeter hat die AOK übernommen, die im Januar eröffnet. 300 Quadratmeter hat der Freistaat Bayern fürs Arbeits- und Sozialgericht gemietet. Und auf 400 Quadratmetern wird das im Gault & Millau ausgezeichnete Schierhuber-Restaurant eröffnen (siehe nebenstehenden Bericht).

Den größten Mieter will Eberhardt noch nicht nennen. Nur so viel: „2300 Quadratmeter wird eine Tochtergesellschaft eines weltweit agierenden Konzerns übernehmen, um dort neueste Mobilitätstechnologien zu entwickeln.“ Frei ist derzeit nur noch eine Büroeinheit mit 280 Quadratmetern.

Anders als andere Bauträger hat Eberhardt die Flächen in der Glacis-Bastion nicht etwa verkauft. Er wird sie vermieten. Die 29 Wohnungen, zwischen 50 und 110 Quadratmeter groß, werden 10 bis 11,50 Euro pro Quadratmeter bringen. Die Gewerbetreibenden und Dienstleister zahlen mit 12 bis 14 Euro je nach Lage und Ausstattung etwas mehr. Die Mieteinnahmen werden ins Anlagevermögen der Firma fließen. Was die Baukosten betrifft, will Eberhardt nicht konkret werden. Nur so viel: Sie bewegen sich im unteren zweistelligen Millionen-Bereich. Hoch seien die Kosten für die Beseitigung der Altlasten gewesen und für das Abfangen der Tiefgarage im Grundwasser.

Faible für Fassaden

Dennoch hat Eberhardt nicht an der Ausstattung, vor allem nicht an der Ästhetik gespart. Die Energie (KfW-40-Standard)  wird über Wärmepumpen dem Grundwasser entzogen. Alle Dächer werden intensiv begrünt und dienen als Aufenthaltsfläche. Und bei der Fassade haben sich er und seine Architekten für zehn Zentimeter dicke  Jurakalksteine entschieden. Was dem Gebäude seine unverwechselbare Optik gibt.

Überhaupt scheint Eberhardt für die Fassadengestaltung ein ganz besonderes Faible zu haben: Bei anderen Projekten hat er sich für Klinkersteine (Maienweg in Söflingen), für Keramik (Griesgasse in Söflingen) oder Aluminium (Lettenwald in Böfingen) entschieden. „Auch das kostet mehr als üblich.“

Seit 1992 auf dem Markt

Unternehmen Die Eberhardt Immoblien- Bau- und die Grundstücksverwaltungsgesellschaft mit Sitz in der Moltkestraße in Ulm ist seit 1992 am Markt. Wolfgang Eberhardt, 57 Jahre alt,  leitet das Unternehmen, das schon gut 500 Wohn- und Gewerbeeinheiten hochgezogen hat. Er hat acht Mitarbeiter. Vor allem aber: Zwei von drei Söhnen werden in die Firma einsteigen. Eberhardt hat von 1992 an in den neuen Bundesländern gearbeitet. 1996 wurde sein erstes Projekt am Ulmer Eichberg fertiggestellt. Der Jahresumsatz seiner Firma bewegt sich zwischen 15 und 20 Millionen Euro.

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