Soziales Neues Aufnahmehaus: Ein sicherer Hort für obdachlose Frauen

Wiblingen / Von Christoph Mayer 08.08.2017
Vier Einzelzimmer und psychologische Betreuung: Mit dem neuen Aufnahmehaus in Wiblingen schließt das Deutsche Rote Kreuz eine Lücke. Am 1. August ziehen die ersten Bewohnerinnen ein.

Wie viele obdachlose Frauen es im Raum Ulm gibt? „Schwierig herauszufinden, die Dunkelziffer ist hoch“, sagt Karin Ambacher, Leiterin des Übernachtungsheims des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in der Frauenstraße. Weibliche Obdachlosigkeit sei vielfach versteckte Obdachlosigkeit. „Wohnungslose Frauen lassen sich oft auf Deals mit Männern ein, die sie bei sich einziehen lassen, aber dafür sexuelle Gegenleistungen fordern.“ Pro Jahr seien es jedoch zwischen 25 und 30 Frauen, die in der Frauenstraße aufschlagen  und dort in einem separaten Mehrbettzimmer des DRK-Heims untergebracht  werden. Für viele sei es aber ein Problem, Zeit in einer von männlichen Bewohnern dominierten Einrichtung zu verbringen. „Bei fast jedem Schritt, den sie tun, müssen sie an Männern vorbei.“ Gerade für Frauen mit hohem Schutzbedürfnis purer Stress.

Für sie hält das DRK ab 1. August ein neues Angebot parat. Im neuen Aufnahmehaus im Wiblinger Lustgartenweg 17 finden maximal vier Frauen ein Zuhause, die akut von Wohnungslosigkeit betroffen oder bedroht sind. Bei Bedarf werden sie zudem im Alltag von einer Diplom-Psychologin des Roten Kreuzes (siehe Infokasten) unterstützt.

Die Zustände muten im Vergleich zum bisherigen Status geradezu paradiesisch an – nicht nur, weil das von Privat ans DRK vermietete Einfamilienhaus in einer gut bürgerlichen Gegend nahe des Klosters liegt. Auch das Interieur ist ansprechend.  So gibt es vier Einzelzimmer, drei Bäder, einen Gruppenraum und eine Küche. „Das ermöglicht Gemeinschaft und Privatsphäre zugleich“, sagt Ambacher.  Zielgruppe sind vor allem ältere Frauen, von denen es nach Beobachtung der DRK-Verantwortlichen immer mehr gibt. „Frauen, die ohnehin psychisch angeschlagen sind, kein soziales Netz haben und infolge von Mietschulden gekündigt werden“, wie Ambacher erläutert.

Erstaufnahme- und Vermittlungsstelle bleibt das Übernachtungsheim in der Frauenstraße. Schwierigere Fälle – etwa jüngere Frauen mit Drogen- oder Alkoholproblemen – sollen nach wie vor dort untergebracht werden. Das Wiblinger Haus ist vor allem für Frauen gedacht, die einen geschützten Raum brauchen, um eigenverantwortliches Leben wieder zu lernen, und letztlich wieder in einer eigenen Wohnung unterzukommen. Deshalb ist auch eine relativ lange Verweildauer  von bis zu 18 Monaten möglich.

Die Frauen erhalten keine Rund-um-die-Uhr-Betreuung, sagt Diplom-Psychologin Iolanda Olah. Es gehe darum Vertrauen zu schaffen, etwa durch gemeinsames Kochen oder Basteln. Auch Begleitung und Hilfe bei Jobsuche, Haushaltsführung sowie frauenspezifischen Problemen gehörten zum Angebot. „Es geht schlichtweg darum, den Alltag zu meistern.“

Professionelle Unterstützung

Betreuung Zuständig für die Unterstützung der Bewohnerinnen ist Diplom-Psychologin Iolanda Olah. Sie hat mehrere Jahre im DRK-Übernachtungsheim gearbeitet und war zudem in der Flüchtlingssozialarbeit tätig.