Prozess Körperverletzung: 24-Jähriger zu Geldstrafe verurteilt

Ulm / Rudi Kübler 18.07.2017
Rippenbrüche und Nasenbeinfraktur: Ein 24-Jähriger wird wegen Körperverletzung vom Amtsgericht Ulm zu einer Geldstrafe verurteilt.

Zeugen sind der größte Unsicherheitsfaktor in einem Prozess. Wer sich auf sie verlässt, ist verlassen. Die einen sehen etwas, die anderen meinen etwas gesehen zu haben, die dritten haben gar nichts gesehen, die vierten können sich an das, was sie gesehen haben, nicht erinnern. Und wenn der Fall dann noch fast zwei Jahre zurückliegt, wird es: unendlich schwierig.

Auf der Anklagebank fand sich  vor dem Ulmer Amtsgericht ein 24-Jähriger wieder. Ihm wurde zur Last gelegt, am frühen Morgen des 20. September 2015 einen Mann mit Faustschlägen und Tritten verletzt zu haben. Ein verbales Geplänkel zwischen zwei Gruppen im Burger King am Hauptbahnhof war dem Ganzen vorausgegangen. Aus der einen Gruppe flog ein Ketchup-Beutelchen in Richtung der anderen ­– was aber nicht als Provokation gedacht war, wie sie alle versicherten. Die andere Gruppe fühlte sich allerdings provoziert und antwortete entsprechend. Um einer weiteren Konfrontation aus dem Weg zu gehen, verließ die erste Gruppe, die Belegschaft einer Ulmer Disco, das Schnellrestaurant Richtung Hirschstraße.

Dort tauchte dann zehn Minuten später ein Mann aus der anderen Gruppe auf. Was er dort wollte? Da gingen die Zeugenaussagen im Prozess auseinander. Er sei aus dem Nichts heraus angegriffen worden, er habe sich nicht wehren können, sagte der 36-Jährige. Er sollte Sekunden später am Boden liegen, die Nase gebrochen, zwei Rippen gebrochen, eine angeknackst. Hatte er selber den Wortführer der anderen Gruppe attackiert? Oder war er von dem 24-jährigen Angeklagten angegriffen worden? Antworten darauf blieb der Prozess schuldig, auch weil die einen Zeugen statt eines Gedächtnisses ein großes schwarzes Loch offenbarten.

Der Staatsanwalt rollte den Fall von den Verletzungen her auf. Nasenbeinfraktur und Rippenbrüche – mit einem Schlag sei das nicht zu machen. Für ihn komme deshalb Notwehr nicht in Betracht. Er plädierte auf eine Geldstrafe: 90 Tagessätze à 65 Euro. Der Verteidiger forderte hingegen Freispruch für seinen Mandanten, der 24-Jährige habe in Notwehr gehandelt. „Die Folgen trägt dann derjenige, der angegriffen hat“, sagte der Anwalt, der den Belastungszeugen die Gedächtnislücken nicht abkaufen wollte.

Die Richterin verurteilt den Angeklagten zu der vom Staatsanwalt geforderten Geldstrafe. Um Notwehr könne es sich nicht handeln, „es war nicht nur ein abwehrender Schlag“.