Ulm / RUDI KÜBLER  Uhr
Schilderkrieg am Saumarkt? Das hatten wir doch schon. Jetzt geht das Geplänkel in eine neue Runde - aber nicht wegen des Begriffs an sich.
Neulich – auf dem Saumarkt – trafen zwei Männer aufeinander, die beide für sich genommen äußerst friedlich sind. Aber dann doch zu großer Form aufliefen. Weil, sagen wir es so, beide eine Vorgeschichte mit sich herumtrugen. Und diese zwei Vorgeschichten verdichteten sich zu einer amüsanten Geschichte, die einfach erzählt werden muss.

Da ist auf der einen Seite Richard Josef Maier. 1977 ist auf seiner Miste der Zunftschmaus gewachsen. Er kämpfte gegen den offiziellen „Schwein(e)-markt“ und für die im Volksmund gängige Bezeichnung „Saumarkt“; er kämpfte für ein Saumarkt-Denkmal, er kämpfte für Saumarkt-Schilder, die an die Hausfassaden montiert wurden. Und weil der Saumarkt ohne ihn nicht zu denken ist, nennt sich der Maier mit gewissem Stolz „Saumarktmaier“. Der Mann ist der personifizierte Saumarkt.

Auf der anderen Seite Bernd Geserick. Der Mann, der die Fischerplatzgalerie betreibt, hat das gegenüberliegende Eckhaus Fischergasse 34 gekauft, um an dieser Stelle zwei Häuser mit Giebeln zum Saumarkt hin errichten zu lassen. Bezug soll im Sommer 2013 sein.

So weit, so gut. Bis kürzlich der Saumarktmaier um die Ecke bog und einen mit dem Abriss beschäftigten Arbeiter bat, das am Haus befestigte „Saumarkt“-Schild abzuschrauben und ihm zu geben. Was den Galeristen auf den Plan rief. Unbekannte hatten bereits die Hausnummer „34“ und das Schild „Fischergasse“ mitgehen lassen, jetzt griff einer auch noch nach dem Saumarkt-Schild. „Das fand ich nicht witzig.“ Dass derjenige, der hier Anrechte erhob, der Saumarktmaier war, imponierte ihm nicht. Geserick beschied dem Saumarktmaier kurz und knapp, dass er das Haus gekauft habe – und das Schild damit auch ihm gehöre. Dann ging er. Später wird er fragen: „Hätte ich den Herrn etwa umarmen sollen?“

Was nun den Kontrahenten, der das Herz auf der Zunge trägt, erst recht erboste: „Der lässt mich, den Saumarktmaier, wie einen nassen Sack stehen.“ Er habe das Schild damals herstellen lassen, bezahlt und „leihweise“ dem Vorbesitzer des Hauses überlassen. Er fordert Geserick auf, das Schild herauszugeben. Auf eine „Fristsetzung“ verzichtet Maier, „mit der Einsicht dieses Herrn wird gerechnet“.

Das alles hört sich verdächtig nach Fortsetzungsroman an.