Ein runder Turm mit bösen Geistern

SWP 10.08.2012

Über den Grünen Turm berichtet Felix Fabri in seiner Stadtbeschreibung aus dem Jahr 1488/89, der heiße so, weil er ein grünes Dach habe. Dann fährt er fort: "Früher jedoch wurde er Turm der Gremlinger genannt, wie die von ihm ausgehende Straße Gremlinger Gaß heißt nach einigen alten, Gremlinger genannten Bürgern, und er ist ein runder Turm, in dem, wie man sagt, niemand zu übernachten wagt wegen der Geräusche und heftigen Stöße, welche böse Geister darin machen. Geschützt ist dieser Turm durch Erker und eine Vormauer."

Im Steuerbuch von 1427 findet sich tatsächlich der Streckenabschnitt "gens Gremlingers Turn", und in dem dort ebenfalls aufgelisteten "Gremlinger Gäßlin" ist eine "Gremlingerin, Witwe" verzeichnet.

Die Steuerverzeichnisse von 1427 und 1499 bestätigen zudem Fabris Darstellung, dass die ältere Bezeichnung "Gremlingerturm" in den dazwischenliegenden Jahren durch "Grüner Turm" ersetzt wurde: In dem von 1499 ist nicht mehr die Rede vom Gremlinger-, sondern vom Grünen Turm. Die Abschnittsbezeichnung "Übern Steg gem Grünen Turm" blieb übrigens bis Ende der Reichsstadtzeit 1802 gültig - also gut zweieinhalb Jahrhunderte über den Abbruch des Turms hinaus.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel