Ulm Ein neues Museums-Kabinett mit Kunst aus der Stadt und für die Stadt

Zentraler Blickfang im ersten Raum des kleinen Kabinetts in Ulmer Museum sind die Stillleben Paul Kleinschmidts. Der Maler hatte sich in der Nazi-Zeit für ein paar Jahre in Ulm und Umgebung aufgehalten und blieb der Stadt verbunden.
Zentraler Blickfang im ersten Raum des kleinen Kabinetts in Ulmer Museum sind die Stillleben Paul Kleinschmidts. Der Maler hatte sich in der Nazi-Zeit für ein paar Jahre in Ulm und Umgebung aufgehalten und blieb der Stadt verbunden. © Foto: Volkmar Könneke
LENA GRUNDHUBER 08.01.2016
Landschaftsbilder, Stillleben, Münsterblicke zeigt das neue "Ulmer Kabinett" des Ulmer Museums mit Kunst aus und für Ulm. Stücke aus der Sammlung und Dauerleihgaben, etwa von Paul Kleinschmidt.

Eine Torte, Blumen, Trauben, ein Fliederstrauß. Auf den ersten Blick erinnern die opulenten Stillleben an solche von Max Beckmann und auf den zweiten schon wieder nicht - sie stammen von seinem Zeit- und gewissermaßen auch Schicksalsgenossen Paul Kleinschmidt (1883- 1949). Wie Beckmann galt Kleinschmidts Kunst in der Nazi-Zeit als "entartet", und sein schwieriges Schicksal hat unter anderem dazu geführt, dass seine Bilder jetzt so prominent mittig im neu eingerichteten "Ulmer Kabinett" des Ulmer Museums hängen; der Ausstellungsbereich soll, wechselnd bestückt, zur festen Einrichtung werden. Die Dauerleihgaben stammen von Kleinschmidts Enkel Jean-Claude Salzmann, denn sein Großvater hatte als verfemter Künstler während der Nazizeit für eine Weile in Ulm und Umgebung Zuflucht gefunden, bevor er nach Frankreich weiterzog, zwangsweise zurückkehrte und wenige Jahre nach dem Krieg erst 66-jährig verstarb. "Er war Ulm auch im Herzen sehr verbunden", sagt Salzmann. Nicht umsonst hat die Paul-Kleinschmidt-Gesellschaft ihren Sitz in Ulm.

Hier sei der Künstler gut vernetzt gewesen, bestätigt deren Vorsitzender Klaus Bilger - mit Künstlern wie Wilhelm Geyer und Albert Unseld. Mit dieser Geschichte im Hinterkopf wird der Durchgang durch das neue Kabinett mit Kunst aus Ulm und für Ulm - 26 "Impressionen in der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts" - denn auch historisch, menschlich interessant.

Nur ein paar Schritte später nämlich trifft man schon auf Albert Unselds "Hügellandschaft mit Kapelle" aus den späten 1970er Jahren oder den rosa schimmernden "Mandelblütenzweig" von Wilhelm Geyer; und neben des Vaters beschaulicher "Atelierecke" findet sich Hermann Geyers Sicht auf das Donauufer.

Nach Gemälden aus den 70er und 80er Jahren wie Adolf Schwenks "Kleinem Lautertal" und den idyllisch fließenden Landschaftsbildern von Wilhelm Luib (da gibt's übrigens noch "Winter an der Donau") sind die abstrakteren Aquarelle von Lisa Beyer-Jatzlau gehängt; weiter hinten hat Hans Gassebner seine "Kleine Landschaft" in konzentrierte Farbziegel aufgeteilt.

Die Schau selbst konzentriert sich in ihrer Mitte auf das Ulmer Wahrzeichen und präsentiert verschiedene, teils sehr aktuelle Ansichten des Münsters. Adolf Silberberger hat sich für seine schwarzen Siebdrucke ganz intensiv, ganz nah mit dem Bau befasst, Christopher Lehmpfuhl macht aus dem Hauptportal eines seiner megapastosen Farbgewitter. Und dieses fotografische Hochformat hat man schon einmal gesehen - richtig, Markus Brunettis Münsterbild hing dieses Jahr in einer der Begleitausstellungen der Biennale von Venedig.

Auch das abschließende große Werk ganz hinten ist eine Dauerleihgabe: Ein riesiges gemaltes Kruzifix des Stuttgarter Malers Adolf Hölzel von 1910 bildete die Vorstudie zum Fresko in der Pauluskirche.

Schau im Ehinger Stadel

Das Ulmer Kabinett Auch aus Anlass des 90. Geburtstags des Ulmer Museums ist nun das Ulmer Kabinett im 2. Obergeschoss des Ehinger Stadels eingerichtet mit 26 Gemälden. Fast alles stammt aus der Sammlung des Hauses, außerdem sind fünf Dauerleihgaben in der Präsentation dabei.

Die Öffnungszeiten Geöffnet ist immer Dienstag bis Sonntag 11 bis 17 Uhr, am Donnerstag sind Sonderausstellungen bis 20 Uhr geöffnet.

SWP