Immaterielles Kulturerbe klingt nach jahrhundertealter Tradition – und ist es auch. Die Münster- und Dombauhütten in Deutschland und den anderen Ländern leisten ihren wertvollen Beitrag im Erhalt der mittelalterlichen Großkirchen. Daher ist es nachvollziehbar, dass sie den Stellenwert und die Bedeutung ihrer Arbeit auf möglichst breiter Basis unterstützt sehen wollen.

Mit ihrer Bewerbung für den Unesco-Titel richten die Verantwortlichen den Blick jedoch nicht rückwärts, sondern nach vorn. Das kann man am Beispiel des Ulmer Münsters gut sehen. Dort verbindet sich das Wissen um traditionelle Handwerksfertigkeiten mit viel Erfahrung, großer Sorgfalt und modernster Technik. Die Steinmetzen und -techniker arbeiten mit Hammer und Meißel genauso selbstverständlich wie mit 3-D-Technik. Seit neuestem gibt es auch ein Rasterelektronenmikroskop für die Steinanalyse, den nötigen Sachverstand hat das Team um Münsterbaumeister Michael Hilbert. Es ist Standard, dass die Hütte eng mit Unis und anderen Forschungseinrichtungen kooperiert und die wissenschaftlichen Erkenntnisse beispielsweise der Materialforschung in die Arbeit einfließen.

Insofern ist die Unesco-Bewerbung kein Werk für die Schublade, sondern ein modernes Leitbild der Bauhütten. Es hilft, dass das Münster weitere 600 Jahre steht – mindestens.

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