Konzert Ein Hörgenuss: Der Philharmonia Chor Stuttgart

Wiblingen / Petra Lehmann 02.08.2018

Die Basilika des Klosters Wiblingen war leider spärlich besetzt beim Konzert des Philharmonia Chors Stuttgart. Vielleicht lag es am heißen Sommerwetter oder daran, dass das einzigartige Ensemble aus der Landeshauptstadt noch zu wenig bekannt ist. Dabei ist der 1986 gegründete Chor mit seinen ehrgeizigen, stimmlich wie musikalisch geschulten Sängerinnen und Sängern fester Bestandteil des Stuttgarter Kulturlebens. Mit Johannes Knecht hat der Chor seit 15 Jahren einen hervorragenden Chorleiter, der nicht nur Opernchordirektor in Stuttgart war, sondern auch Professor für Chorleitung an den Musikhochschulen in Stuttgart und Lübeck ist.

Das Motto des gut einstündigen Konzerts war „Sing and praise! – Leonard Bernstein zum 100. Geburtstag“. Das Entdecken anderer Klangwelten sowie die Qualität des ausschließlich a cappella singenden Chors und der Solisten machten den Charme des Konzerts aus. Und den Abend zu einem Hörgenuss erster Güte. Bernsteins „Missa Brevis“ für Countertenor, Chor und Percussion überraschte mit zum Teil gregorianisch anmutenden, archaischen Klängen, wie man sie von ihm nicht erwartet hätte. Hervorragend der Gesang des jungen kolumbianischen Countertenors Álvaro Tinjacá-Bedoya sowie die Einschübe des Percussion-Duos Lucas Gérin und Emil Kuyumcuyan. Beeindruckend auch die Präzision und der lupenreine Klang des 30-köpfigen Chores mit ausgeglichenen Männer- und Frauenstimmen.

Afrikanische Gebete

Diese Qualität setzte sich in den weiteren Werken, den aus drei Motetten für Doppelchor bestehenden Fest- und Gedenksprüchen von Johannes Brahms und den „Prayers And Dances From Africa“ des südafrikanischen Komponisten Peter Klatzow, fort. Die afrikanischen Gebete basieren auf den Worten des ehemaligen Erzbischofs Desmond Tutu und werden eigentlich durch ein Blechbläserquintett ergänzt. Diesen Part übernahm in Wiblingen das Percussionsduo. Dabei kamen verschiedene Schlaginstrumente zum Einsatz, wobei nicht immer klar war, inwieweit die beiden Musiker improvisierten oder nach festgelegtem Muster konzertierten.

Zwischen diese großen Blöcke schoben sich drei Spirituals aus dem Oratorium „A Child Of Our Time“ des englischen Komponisten Michael Tippett. Immer wieder konnten die Zuhörer die Klangqualität und die ausgezeichnete Koordination des Chores in den zum Teil achtstimmigen Sätzen bestaunen. Ein in jeglicher Hinsicht außergewöhnliches Konzert, das noch lange nachwirken wird.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel