Integration Ein Haus für alle Kinder

Im Arbeitskreis erfolgt die Hausaufgaben-, Sprach- und Lernhilfe in Kleingruppen. Hier übt der neunjährige Ensar, zusammen mit Betreuer Miguel Soriano, das Rechnen.
Im Arbeitskreis erfolgt die Hausaufgaben-, Sprach- und Lernhilfe in Kleingruppen. Hier übt der neunjährige Ensar, zusammen mit Betreuer Miguel Soriano, das Rechnen. © Foto: Lars Schwerdtfeger
Ulm / Katrin Stahl 16.11.2018

Warum Ensar so gerne ins Interkulturelle Kinderhaus in Ulm geht? „Weil man hier spielen kann“, antwortet der Neunjährige ohne Zögern. Die elf Jahre alte Afra ist da anderer Meinung: „Ich finde es gut, dass man mir bei den Hausaufgaben hilft.“

Es ist einiges los an diesem Nachmittag beim Arbeitskreis Ausländische Kinder (AAK). Zahlreiche Kinder und Jugendliche tummeln sich in den bunt bemalten Räumen des ehemaligen Militärgefängnisses in der Frauenstraße. „Wir sind ein offenes Haus, alle Ulmer Kinder sind bei uns willkommen“, sagt Andrea Göpel-Traub, die Vorsitzende des Vereins, der in diesem Jahr 40-jähriges Bestehen feiert.

Förderung und Integration

1978 wurde der Arbeitskreis an  der Ulmer Volkshochschule gegründet. Das Ziel: Kinder mit Migrationshintergrund in ihrer persönlichen und sozialen Entwicklung fördern und unterstützen. An der Motivation hat sich in den letzten Jahrzehnten nichts geändert ­ ­­– ebenso wenig wie an der Nachfrage. Heute kümmern sich drei hauptamtliche Pädagogen und über 30 ehrenamtliche Mitarbeiter jeden Nachmittag unter der Woche um Kinder aus über 20 Nationen. Insgesamt 200 Kinder kommen im Laufe des Jahres. „Die meisten von ihnen stammen ursprünglich aus Syrien, der Türkei und dem Irak, wir haben aber auch Kinder aus Deutschland bei uns im Haus“, so Göpel-Traub.

Förderung und Integration – das sind laut der Vereinsvorsitzenden die beiden Säulen, auf denen die Arbeit des AAK basiert. Der Fokus liegt auf der Hausaufgaben-, Sprach- und Lernhilfe, die individuell in Kleingruppen erfolgt. Im Anschluss stehen den Kindern zahlreiche Freizeitmöglichkeiten und Arbeitsgemeinschaften zur Verfügung. Der Besuch ist kostenlos und freiwillig. Finanziert wird der Verein durch Mittel der Stadt, der evangelischen Kirchenpflege Ulm, des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport, der Aktion Mensch sowie durch zahlreiche Spender und Sponsoren. „Von der Stadt werden wir gut unterstützt“, erzählt Göpel-Traub, „vom Land würde ich mir oft mehr Förderung wünschen“. Zusätzlich kooperiert der Arbeitskreis mit sozialen Akteuren und Schulen in Ulm. Warum der Verein gerade in der heutigen Zeit besonders wichtig ist? „Die Bildungsbeteiligung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund muss in unserem Land deutlich verbessert werden. Hinzu kommt, dass gerade geflüchtete Kinder oftmals eine sehr intensive Betreuung brauchen“, sagt Göpel-Traub.

Die Mitarbeiter des Arbeitskreises verstehen das Interkulturelle Haus als Ort des sozialen Lernens. Ihr Auftrag sei jedoch nicht nur pädagogisch, sondern auch gesellschaftspolitisch. Die Botschaft: Einen Beitrag für ein friedliches Zusammensein in Deutschland leisten. Das stößt in der Bevölkerung nicht immer auf Zustimmung, wie erst kürzlich Schmierereien am Klingelschild des Hauses zeigten. „Es ist traurig, dass man sich in unserer Gesellschaft darüber Gedanken machen muss“, sagt ein langjähriger ehrenamtlicher Mitarbeiter.

Nicht an Bedeutung verloren

Was man sich für die Zukunft wünscht? Dass der Arbeitskreis eines Tages nicht mehr notwendig sein wird. Jedoch, da ist man sich einig, habe die Arbeit des Vereins in den vergangenen Jahrzehnten nie an Bedeutung verloren. Andrea Göpel-Traub hat noch einen weiteren Wunsch: „Unser Team hat kontinuierlichen Einsatz gezeigt. Es wäre schön, wenn dies auch zukünftig so weitergeführt wird.“

Das Jubiläum wird heute gefeiert

Fest Seit 40 Jahren gibt es den Arbeitskreis Ausländische Kinder bereits. Mitglieder der Vereins haben für heute Abend eine Feier im Haus der Begegnung organisiert, Beginn ist um 17.30 Uhr. Dr. Götz Hartung wird als einer der Initiatoren sprechen, daneben die Vorsitzende Andrea Göpel-Traub und die Grünen-Bundestagsabgeordnete Ekin Deligöz.

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