Influenza Ein Grippetoter in Ulm

Ulm / Julia Kling, Christine Liebhardt 24.02.2018
Der Höhepunkt der Grippewelle scheint erreicht. In der Region sind 937 Influenza-Fälle gemeldet. Es gab einen Todesfall.

Nicht jeder, der Symptome hat, geht zum Arzt. Und nicht jeder, der zum Arzt geht, wird auf Influenza getestet.“ Dr. Theodor Gonser, Leiter des Fachdienstes Gesundheit im Landratsamt des Alb-Donau-Kreises, rät dazu, die aktuellen Grippe-Zahlen mit äußerster Vorsicht zu genießen. Darin ist er sich mit seinem Kollegen Dr. Martin Küfer aus Bayern so einig, dass die beiden ihre Auskunft im exakt gleichen Wortlaut geben: „Das ist nur die Spitze des Eisbergs“.

Und die sieht so aus: Stand gestern gab es in Ulm und im Alb-Donau-Kreis 451 Influenza-Meldungen, im Landkreis Neu-Ulm 486, davon allein in dieser Woche 148. Die Gesundheitsämter erhalten ihre Zahlen von den örtlichen Arztpraxen, in denen derzeit Hochbetrieb herrscht. Aber nicht jeder Grippe-Patient wird auf Influenza-Viren getestet. „Das machen nur so genannte Sentinel-Praxen“, erklärt Küfer. Diese haben sich dazu verpflichtet, jeden Verdacht testen zu lassen und melden ihre Ergebnisse wöchentlich an das Robert-Koch-Institut der Bundesregierung. „So kann es passieren, dass eine Sentinel-Praxis in der Woche 20 Fälle meldet und eine andere nur zwei“, sagt Küfer – und das, obwohl jeweils gleich viel Grippe-Patienten in den Praxen waren.

Ein 77 Jahre alter Ulmer ist am Donnerstag an der Grippe gestorben. Gonser rät Risikopatienten, sich auch jetzt noch impfen zu lassen. Für alle anderen lohne sich das nur noch bedingt: Gonser geht davon aus, dass der Scheitelpunkt der diesjährigen Grippewelle seinen Höhepunkt in diesen Tagen überschritten hat. In Bayern seien die Zahlen der gemeldeten Fälle inzwischen wieder leicht rückläufig. „Wenn ich mich heute impfen lasse, braucht der Körper noch acht bis zehn Tage, bis die Immunabwehr funktioniert“, erklärt der Fachdienstleiter. Die Impfung im Herbst sei die wichtigste Vorbeugung. „Wenn die Grippewelle durchsaust, ist es zu spät.“ Auch die Uniklinik verzeichnet seit Anfang der Woche einen „deutlichen Anstieg“ der Influenza-Infektionen, berichtet Dr. Martin Müller, Oberarzt in der internistischen Notaufnahme.

„In den letzten beiden Tagen nimmt es aber wieder etwas ab.“ Vor Ort werde derzeit mit beschleunigter Diagnostik gearbeitet und möglichst gut isoliert. Die Mehrzahl der aktuellen Erkrankungen ist laut Theodor Gonser auf den Influenza-B-Virus zurückzuführen. Vor ihm schützt nur der Vierfach-Impfstoff, dessen Kosten inzwischen auch von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen würden.

In den Apotheken ist er auch meist noch vorrätig, wie Sabine Benz-Klemm von der Hirsch-Apotheke sagt. „Uns ist noch kein Engpass bekannt und der Impfstoff ist bei den Lieferanten auch noch bestellbar.“ Benz-Klemm rät ihren Kunden, etwa in Bussen und Straßenbahnen Handschuhe zu tragen und regelmäßig die Hände zu waschen. Um den gewünschten Reinigungseffekt zu erzielen, solle man beim Einseifen der Hände zwei Mal das Kinderlied „Alle meine Entchen“ vor sich hin singen und allgemein auf die Hygiene achten.

Das rät auch das Robert-Koch-Institut, das auch von Besuchen bei Grippe-Kranken abrät. Grippeviren verbreiteten sich überwiegend über Tröpfchen. Die Erkrankten übertragen insbesondere beim Husten oder Niesen die Viren so auf die Schleimhäute der Atemwege von den Gesunden. Darüber hinaus ist eine Übertragung auch über verunreinigte Hände und Oberflächen möglich, wenn die Hand anschließend einen Kontakt zum Mund oder zur Nase hat.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel